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Yoga-Therapie für Kinder mit Bauchschmerzen

Bewegungs-, Meditations- und Atemübungen bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden
Gut jedes zehnte Kind leidet unter regelmäßig auftretenden Schmerzen im Unterleib, denen keine organische Ursache zugrunde liegt. Derartige funktionelle Bauchschmerzen führen zu Einschränkungen im Alltagsleben und sind der zweithäufigste Grund für schulische Fehlzeiten. Psychischer Stress ist eine Folge, die gleichzeitig wiederum das Beschwerdebild verstärken kann. Yoga ist für seine entspannende und stressreduzierende Wirkung bekannt und wurde bereits in zahlreichen Studien [2, 4] an erwachsenen Patienten mit Reizdarmsyndrom untersucht.
 
Aufbauend auf einer Pilotstudie [3] überprüften niederländische Gastroenterologen in einer randomisierten klinischen Untersuchung die Wirksamkeit eines Yoga-Programms für Kinder zwischen 8 und 18 Jahren über einen Gesamtzeitraum von 12 Monaten [1]. Alle Kinder und Jugendlichen erhielten eine standardisierte medizinische Versorgung bestehend aus Informationen zu ihrer Erkrankung, Ernährungsempfehlungen, Ballaststoffen zur Nahrungsergänzung und falls erforderlich die Verordnung eines Spasmolytikums. Die der Yoga-Gruppe zugeordneten Studienteilnehmer lernten zusätzlich über einen Zeitraum von 10 Wochen Yoga-Posen, Entspannungs-, Atem- und Mediationstechniken. In Ergänzung zu den wöchentlichen Übungsstunden wurde den Kindern ein Arbeitsbuch ausgehändigt, um auch zu Hause möglichst täglich üben zu können. Zu Studienbeginn, nach 10 Wochen (Ende des Yoga-Programms) sowie nach 6 und 12 Monaten wurden die Häufigkeit und Stärke der Bauchschmerzen, die Lebensqualität (physisches und psychisches Wohlbefinden, soziale Kontakte) sowie die Leistungsfähigkeit und durch Bauschmerzen bedingte Fehlzeiten in der Schule dokumentiert und ausgewertet.
 
Sowohl Schmerzhäufigkeit und Schmerzintensität als auch die Häufigkeit von Fehlzeiten in der Schule nahmen in der Yoga-Gruppe deutlich ab; ein statistisch signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe konnte allerdings erst am Ende der Follow-up-Phase nach 12 Monaten konstatiert werden. Bezüglich der Lebensqualität zeichnete sich lediglich ein Trend zugunsten der Yogatherapie-Gruppe ab. Die Zahl der Studienaussteiger lag am Studienende in der Kontrollgruppe bei nahezu 50 %; ein Grund war der mangelnde Erfolg der Standardbehandlung. Rund 90 % der Kinder in der Yoga-Gruppe nahmen bis zum Ende teil. 

Einschätzung
Die Verbesserung der Schmerz-Scores sowie die Reduzierung der schulischen Fehlzeiten in dieser Studie zeigen, dass Yoga eine Option zur Behandlung von funktionellen Bauchschmerzen bei Kindern und Jugendlichen sein kann. Die geringe Rate an Studienabbrechern in der Yoga-Gruppe sowie das Ausbleiben unerwünschter Wirkungen sprechen ebenfalls dafür.
Bedauerlich ist, dass die Wissenschaftler während der 12 Monate nicht erfasst haben, wie häufig und wie lang die Teilnehmer der Yoga-Gruppe die Übungen eigenständig zu Hause ausführten. Eventuell wäre darüber zumindest teilweise das Phänomen zu erklären, dass sich der Unterschied zur Kontrollgruppe erst am Ende der Studie, also acht Monate nach Ende des 10-wöchigen Yoga-Programms, statistisch festmachen lässt. Denn durch das Erleben der (Selbst-)Wirksamkeit während einer Therapie kann die Compliance und damit auch die langfristige Effektivität erhöht werden.
 
Literatur
  1. Schumann D, Anheyer D, Lauche R, Dobos G, Langhorst, J, Cramer H. Effect of yoga in the therapy of irritable bowel syndrome. A systematic review. Clin Gastroenterol Hepatol 2016. > Abstract
  2. Brands MM, Purperhart H, Deckers-Kocken JM. A pilot study of yoga treatment in children with functional abdominal pain and irritable bowel syndrome. Complement Ther Med 2011; 19(3): 109-114. > Abstract
  3. Evans S, Lung KC, Seidmann LC, Sternlieb B, Zeltzer LK, Tsao JC. Iyengar yoga for adolescents and young adults with irritable bowel syndrome. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2014; 59(2): 244-253. > Abstract
  4. Korterink JJ, Ockeloen LE, Hilbink M, Benninga MA, Deckers-Kocken JM. Yoga therapy for abdominal pain-related functional gastrointestinal disorders in children: A randomized controlled trial. J Pediatr Gastroenterol Nutr 2016; 63(5): 481-487. > Abstract
 
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Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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