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Weißes Gemüse schützt vor dem Schlag

"Fünf am Tag“ ist ein weitbekanntes Schlagwort aus der Ernährungsmedizin und beschreibt die Forderung, mindestens fünfmal am Tag Gemüse oder Obst zu essen. Manchmal wird es auch so interpretiert, das Gemüse oder Obst in fünf verschiedenen Farben zu sich zu nehmen. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Farbe einer Frucht maßgeblich von den bioaktiven Substanzen bestimmt wird: Karotenoide sind zum Beispiel gelb-orange, Anthocyane bläulich. Niederländische Wissenschaftler haben sich des Themas genauer angenommen und in einer großen epidemiologischen Studie untersucht, ob die Gemüse- bzw. Obstfarbe mit einem Risiko verknüpft ist, einen Schlaganfall zu erleiden. Und tatsächlich: Es macht einen Unterschied ob man viel weißes oder viel rotes Gemüse/Obst isst.
 
In der Studie wurden etwa 20.000 Männer und Frauen in den Jahren 1993 bis 1997 ausführlich nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Alle Befragten litten zum Studienbeginn nicht unter koronaren Herzkrankheiten, behandlungsbedürftigen Fettstoffwechselkrankheiten oder Diabetes und hatten vorher auch noch nie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten. Der Fragebogen war mit fast 200 Fragen sehr umfangreich und detailliert. Zu den weißen Gemüsen zählten unter anderem Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Äpfel, Birnen, Bananen, Gurken und Pilze, nicht aber z.B. Weiß- oder Blumenkohl, die wie andere Kohlsorten auch als grün definiert wurden.

Innerhalb der 10jährigen Beobachtungszeit wurden 245 Schlaganfälle registriert, 19 davon mit tödlichem Ausgang. Das Schlaganfallrisiko wurde nicht davon beeinflusst, ob die Befragten viel oder wenig rotes, grünes oder gelbes Gemüse aßen. Wer allerdings besonders viel weißes Gemüse aß, hatte ein deutlich verringertes Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen. Genauer gesagt: Personen, deren Verzehr von weißem Gemüse/Obst im obersten Viertel lag, hatten ein nur halb so großes Schlaganfallrisiko wie Personen mit einem Verzehr aus dem untersten Viertel. Oder anders: Jeden Tag eine Zwiebel extra (25g) reduziert das Schlaganfallrisiko um 5 bis 10%.

Einschätzung
Die Studie zeigt das Dilemma moderner epidemiologischer Forschung. Auf der einen Seite ist sie nach modernen methodischen Kriterien durchgeführt worden und muss daher als besonders aussagekräftig eingestuft werden. Auf der anderen Seite ist der Aufwand, der betrieben werden musste, riesig groß. Auch deshalb, weil trotzdem nur relativ pauschale Ergebnisse berichtet werden. Leider ist das Leben viel zu komplex, um es mit mathematischen Verfahren in den Griff zu bekommen. Zum einen sind Ernährungsgewohnheiten individuell, zum anderen ändern sie sich über einen Zeitraum von 10 Jahren. Daher ist mit vielfältigen Wechselwirkungen zu rechnen (manch einer isst zwar viele Zwiebeln, diese aber mit fettem Fleisch), die sich möglicherweise auch noch über die Zeit verändern können.

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Literatur
  1. Oude Griep LM, Verschuren WMM, Kromhout D, Ocké MC, Geleijnse JM. Colors of Fruit and Vegetables and 10-Year Incidence of Stroke. Stroke. 2011. doi: 10.1161/​STROKEAHA.110.611152 > Abstract
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Rainer Lüdtke
Dipl.-Stat. Rainer Lüdtke
Referat für Biometrie und Wissenschaftstransfer
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