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Warme Fußbäder und Musik helfen Senioren ins Land der Träume

Mehr Schlafqualität für ältere Menschen durch abendliche Fußbäder oder Entspannungsmusik
Ein guter Schlaf ist wichtig für die physische und psychische Gesundheit. Schlechtes Einschlafen, häufiges nächtliches Erwachen und verkürzte Schlafzeiten können auf Dauer das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen, Depressionen sowie für motorische und kognitive Einschränkungen erhöhen. Gerade bei älteren Menschen führt ein schlechter Schlaf in Kombination mit den altersbedingt nachlassenden körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu einer Erhöhung der Morbidität und Mortalität. Die Einnahme von schlaffördernden Medikamenten ist oftmals mit unerwünschten Neben- und Wechselwirkungen verbunden. Wirksamkeitsprüfungen nicht-pharmakologischer Behandlungsverfahren sind somit ein wichtiger Forschungsbereich, der nun durch zwei asiatische Studien erweitert wurde.
 
Kim et al. [1] untersuchten in einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie an überwiegend demenziell erkrankten Bewohnern einer geriatrischen Pflegeeinrichtung die Wirksamkeit von abendlichen, halbstündlichen Fußbädern. Vor Studienbeginn wurden mit einem Aktigraphen (Apparat zur Registrierung von Schlaf-Wach-Zeiten) „schlechte“ und „gute“ Schläfer ermittelt. Aus diesen beiden Kategorien wurden je fünf Personen den drei Versuchsgruppen zugeteilt. Über einen Zeitraum von vier Wochen erhielten die jeweils 10 Studienteilnehmer der Interventions- und Placebo-Gruppe 1½ Stunden vor der Schlafenszeit ein Fußbad. Mittels eines Temperaturreglers wurde das Wasser der Versuchsgruppe bei konstant 40 °C gehalten, das der Placebo-Gruppe bei 36,5 °C. Die Kontrollgruppe erhielt keinerlei Anwendung. Das Schlafverhalten während der Behandlungsphase wurde ebenfalls mittels Aktigraphie aufgezeichnet, zusätzlich dokumentierte das Pflegepersonal nächtliche Aktivitäten/Wachphasen der Teilnehmer.
Die 40 °C warmen Fußbäder steigerten insgesamt die Schlafqualität der Studienteilnehmer hinsichtlich der Schlafdauer und Schlaf-Effizienz; der Zeitraum bis zum Einschlafen veränderte sich jedoch nicht. Die Besserung trat verstärkt bei den Teilnehmern auf, die zuvor als „schlechte“ Schläfer (mit weniger als 320 min. Schlaf und geringer Effizienz) eingestuft worden waren. Die wochenweise Auswertung der Daten zeigte einen starken Anstieg der Schlafqualität innerhalb der ersten beiden Wochen, gefolgt von einem leichten Rückgang in der dritten Woche und einem erneuten Zugewinn in der vierten Woche. Die Autoren der Studie ziehen daraus den Schluss, dass bei einer Langzeitanwendung dieses Therapieverfahrens eine jeweils zweiwöchige Behandlungsphase gefolgt von einer einwöchigen Pause bis zur nächsten Behandlungsphase sinnvoll sein könnte.
 
Wang und Kollegen [2] testeten die Anwendung von Entspannungsmusik zur Schlafförderung bei eigenständig lebenden Senioren mit Schlafstörungen. 64 Personen von 60 Jahren und älter wurden randomisiert der Interventions- und der Kontrollgruppe zugeordnet. Beide Gruppen erhielten zu Beginn eine Einführungsinformation zur Schlafhygiene und in den folgenden drei Monaten 14-tägige telefonische Auffrischungsgespräche. Die Teilnehmer der Versuchsgruppe erhielten zusätzlich ein MP3-Gerät mit Entspannungsmusik verschiedenster Musik-Genres (Klassische Chinesische Instrumentalmusik, Westliche Klassische Musik, Musik mit Naturgeräuschen und klassische Lieder ohne Text), aus denen die Teilnehmer Musik nach ihrem Geschmack auswählen konnten, um diese allabendlich 30-45 Minuten lang vor dem Einschlafen zu hören. Während der 14-tägigen Telefonate wurden sie dazu aufgefordert, dies beizubehalten. Das Schlafverhalten wurde vor Studienbeginn und am Ende jeden Monats der Versuchsphase mit Hilfe des Pittsburgh Sleep Quality Indexes (PSQI), einem Fragebogen zur Bestimmung der Schlafqualität, dokumentiert.
Die Schlafqualität in beiden Gruppen nahm innerhalb der drei Monate zu, jedoch erfuhr die Interventionsgruppe eine deutlich stärkere Steigerung sowohl hinsichtlich der Einschlaflatenz, der Schlafeffizienz als auch der Tagesmüdigkeit. Dass die Kontrollgruppe ebenfalls an Schlafqualität gewann, kann auf die schlafhygienische Schulung zurückgeführt werden.

Einschätzung:
Den Studienergebnissen zufolge können diese beiden nicht-pharmakologischen Therapiemethoden als kostengünstige und sichere Verfahren zur Steigerung der Schlafqualität bei älteren Personen eingesetzt werden. Bereits in früheren Studien wurden sowohl mit Fußbädern also auch mit Musik positive Ergebnisse erzielt. Beiden hier vorgestellten Arbeiten ist gemein, dass die Anwendungen erstmals über einen längeren Zeitraum erfolgten.
Die Nutzung von Fußbädern als Einschlafhilfe kann im häuslichen Bereich einfach und eigenständig durchgeführt werden.
Der Einsatz von Musiktherapie bei Demenzkranken in Pflegeeinrichtungen müsste allerdings modifiziert und an die jeweiligen Fähigkeiten der Bewohner abhängig vom Fortschritt ihrer Erkrankung angepasst werden.
Um einer Adaptation während einer Langzeit- oder Daueranwendung entgegen zu wirken, wäre der wechselweise Einsatz der verschiedenen Therapien möglich. Persönliche Vorlieben sollten berücksichtigt werden.
 
Literatur
  1. Wang Q, Chair SY, Wong EML, Li X. The effects of music intervention on sleep quality in community-dwelling elderly. J Altern Compl Med 2016; 22(7): 576-584. > Abstract
  2. Kim H-J, Lee Y, Sohng K-Y. The effects of footbath on sleep among the older adults in nursing home: A quasi-experimental study. Compl Ther Med 2016; 26: 40-46. > Abstract
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Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Wissensmanagement
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