17.08.2011

Süßholzextrakt bei chronischer Hepatitis C

Studie an der Ambulanz für Naturheilverfahren und Umweltmedizin in Freiburg
Zur Sache
Die Süßholzwurzel ist vor allem durch Lakritze bekannt, welches aus dem Saft der Süßholzwurzel hergestellt wird. Die Heilpflanze zählt zu den am längsten bekannten Drogen und fand schon – nach einem ägyptischen Papyros – Jahrtausende vor Christus bei Katarrhen der Atmungsorgane Anwendung. Die Inhaltsstoffe der Süßholzwurzel sind zahlreiche Flavonoide (Farbstoffe), außerdem das Glycyrrhizin, das für den süßen Geschmack des Süßholzes sorgt. Tatsächlich ist Glycyrrhizin 50x süßer als Zucker!

Eingesetzt wird die Wurzel bei Husten, bei krampfartigen Beschwerden des Verdauungstraktes, insbesondere bei chronischer Magenschleimhautentzündung. Entsprechend ist die Wirkung der Pflanze als auswurffördernd, entzündungswidrig und krampflösend zu beschreiben. Gerne wird die Lakritze auch als Geschmackskorrigens eingesetzt. Die Anwendung von Süßholz bei Leberentzündungen ist in der westlichen Pflanzenheilkunde eher ungewöhnlich, wenn auch Hieronymus Bock und Matthiolus die Süßholzwurzel auch bei Leber- und Magenerkrankungen rühmten. So gelten als offizielle Anwendungsbereiche Katarrhe der oberen Atemwege und Magen- wie auch Zwölffingerdarmgeschwüre.

Dennoch ist, wenn man den Wirkmechanismus der Süßholzwurzel betrachtet, ein Einsatz bei chronischer Hepatitis durchaus plausibel: Durch die Inhaltsstoffe des Süßholzes kommt es zu einer Hemmung des Kortikoidabbaus in der Leber. Kortikoide sind in der Nebennierenrinde hergestellte Hormone, die entzündungshemmend wirken. Das kennt man von Cortison-Präparaten. Der Kortikoidspiegel bleibt also unter Anwendung von Süßholz erhöht, was wiederum zu einer Entzündungshemmung führt.

Zur Studie
Die Ambulanz für Naturheilverfahren und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Freiburg nahm in den Jahren 2000-2002 an einer multizentrischen Studie teil, die den Einfluss der intravenösen Gabe eines Süßholzextraktes auf die entzündliche Aktivität bei Patienten mit chronischer Hepatitis C untersucht.

Das Präparat ist unter dem Namen SNMC in Japan schon seit längerem im Einsatz und hat sich als wirksam gezeigt, die erhöhten Leberwerte (Transaminasen) bei Patienten mit chronischer Hepatitis C abzusenken oder zu normalisieren, auch wenn die Virusmenge im Blut dadurch wahrscheinlich nicht beeinflusst wird. Außerdem gibt es Hinweise, dass sich durch das Medikament die Komplikationen der fortgeschrittenen Hepatitis C, insbesondere die Häufigkeit des gefürchteten Leberzellkrebs, verringern lassen.

Ziel der Studie, die mit 24 Patienten durchgeführt wurde, war es zu untersuchen, ob sich die positiven Erfahrungen aus Japan in Europa bestätigen lassen und ob sich durch die Anwendung von SNMC über 6 Monate auch die Gewebeveränderungen in der Leber bessern lassen.

Ergebnisse
Die erhöhten Leberwerte konnten bei ca. 60% der Patienten, die die Studie abgeschlossen haben, durch die intravenöse Gabe des Süßholzextraktes effektiv gesenkt werden. Die Behandlung war insgesamt ausgezeichnet verträglich. Allerdings kam es bei einem Teil der Patienten nach Absetzen der Präparate zu einem erneuten Anstieg der Leberwerte.
 
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