15.08.2011

Fenchel- und Kümmeltee gegen Blähungen

Wie wirksam sind die alten Hausmittel tatsächlich?
Projekt
Studie an der Universitätskinder- und Jugendklinik Rostock, hervorgegangen aus dem Modellprojekt "Homöopathie in der Pädiatrie", München.

Projektleiter:
> Kristine Groth
> Prof. Dr. W. Heine
> Dipl. Stat. Rainer Lüdtke

Förderzeitraum:
> 1999 - 2000

Fördervolumen:
> 11.862 Euro


Zur Sache
Fenchel und Kümmel werden in vielen heilkundlichen, aber auch in modernen pharmakologischen Werken als Heilmittel gegen Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Abgang von Winden und Darmkoliken empfohlen.

Zentrale Fragestellung
„Was ist dran an diesen Empfehlungen?“ – so lässt sich die Frage, der Kristine Groth in ihrer Doktorarbeit nachging, salopp formulieren. Und: Lassen sich die Effekte der Tees durch den zum Nachweis von bestimmten Verdauungsstörungen etablierten Test belegen? Im Fachjargon heißt das: Ist die empirisch beobachtete Besserung von Magen-Darm-Beschwerden wie Flatulenz (Winde), Meteorismus (Blähungen) und Darmspasmen (Darmkrämpfen) bei Einnahme von Fenchel- und Kümmeltee mit dem in der Klinik zum Nachweis von Malabsorptionssyndromen etablierten Wasserstoffatemtest nachzuweisen, und treten Unterschiede zwischen den Teesorten auf?

Zur Erläuterung: Bei einem Malabsorptionssyndrom handelt es sich um eine angeborene oder erworbene „schlechte Stoffaufnahme“, bei der die angebotenen Nährstoffe nicht ausreichend aufgenommen werden. Mittels des Wasserstoffatemtests wird der Wasserstoffgehalt in der Ausatemluft gemessen. Dies erlaubt gewisse Rückschlüsse auf die Kohlenhydrat-Verdauung.

Zur Studie
In einer klinischen Studie wurden Teezubereitungen aus frisch gemahlenen Fenchel- und Kümmelfrüchten sowie einem industriell gefertigten Fenchelteegranulat auf ihre verdauungsfördernde Wirkung untersucht.

Gemessen wurde, welche Änderung der ausgeatmeten Menge an Gesamtwasserstoff sich nach Gabe eines Blähungen verursachenden, unverdaulichen Kohlenhydrates (Laktulose) an einem Versuchstag und Gabe dieses Kohlenhydrates und der Einnahme von drei verschiedenen Teezubereitungen an drei anderen Versuchstagen am Patienten ergab. Außerdem schätzten die Patienten die Veränderung ihrer Beschwerden selbst ein. Parallel dazu erfolgte ein in vitro-Test, bei dem mit Stuhlproben der Versuchsteilnehmer die Wasserstoffsynthese nach Zugabe von Wasser und den drei Teesorten zu Stuhlkulturen bestimmt wurde.

Ergebnisse
Die Ergebnisse dieser Studie können die Hypothese, dass Fenchel- und Kümmeltee durch eine verminderte intestinale Wasserstoffbildung blähungswidrig wirken, statistisch weder stichhaltig belegen noch entkräften.

Während der Fencheltee aus den gemahlenen Früchten in der in vivo-Studie tendenziell am besten abschneidet, zeigt sich im in vitro-Versuch eine klare Überlegenheit des Fenchelteegranulates, wohingegen der Fencheltee (aus Früchten) am schlechtesten abschneidet.

Dass in vivo- und in vitro-Versuche in ihren Ergebnissen nicht übereinstimmen, wundert die Autorin jedoch nicht: „Die Inkongruenz der beiden Studienteile ist nicht ungewöhnlich, da viele der in vivo existierenden Einflussmöglichkeiten in vitro nicht imitiert werden können, sondern lediglich die direkte Wirkung (in vivo nur ein Wirkmechanismus unter einer Reihe von anderen) auf die Bakterien studiert werden konnte. Die vielfältigen Einfluss- und Verzerrungsmechanismen vor allem im vivo-Versuch legen einmal mehr das komplexe und vielfach erst in Ansätzen erforschte Zusammenspiel zwischen dem Ökosystem Mensch und seiner mit ihm in Symbiose lebenden Darmflora dar.“

Interessant ist zudem, dass die Ergebnisse deutlich von der Art der Auswertung abhängen. So schneiden Fenchel- und Kümmeltee deutlich besser ab, wenn man eine maximale Zeitspanne der Messdaten von 20 Tagen oder – noch deutlicher – von nur 5 Tagen wählt. Die Projektleiter: „Daraus kann geschlussfolgert werden, dass die fehlende Standardisierung (Vereinheitlichung) der Zeitspannen zwischen den Versuchstagen das Ergebnis der Studie entscheidend beeinflusst hat.“

Das Fazit der Autorin ist entsprechend kurz und bündig: "Insgesamt bleiben viele Fragen offen und bieten ein breites Feld zukünftiger Forschungsansätze.“
 
Mehr zum Thema: Magen-Darm & Phytotherapie/Pflanzenheilkunde > Wermut macht Mut und Hoffnung > Johanniskraut: Gut bei Depressionen, unwirksam beim Reizdarmsyndrom > Pflanzlicher Leberschutz > Neues Heilmittel gegen Durchfall? > Mexikanische Minze beugt Bauchschmerzen vor > Kurkuma bei Darmentzündungen > Pflanzlich gegen Hämorrhoiden > Starke Leber mit Kurkuma > Pflanzliche Abführmittel: Vollkommen unbedenklich? > Pflanzliches Darmmittel aus der Schatzkiste der Natur > Wilder Sesam bei Magen-Darm-Krämpfen? > Blaue Beeren besänftigen den entzündlichen Darm > Duftcocktail vertreibt Übelkeit nach der OP > Schwarznessel beruhigt den Darm > Pflaume bei Verstopfung? > Olivenextrakt bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen? > Hämorrhoiden pflanzlich behandeln > Malvensirup löst chronische Verstopfung > Traditionelles Heilmittel gegen Verstopfung
 
Diese Seite
per Email versenden
drucken
share on facebook
 
Eine Tasse Tee verschafft nicht nur Genuss und Entspannung, Kräutertees gehören auch zu den ältesten Arzneiformen überhaupt. Gerade in Teemischungen ergänzen und verstärken sich die einzelnen Heilpflanzen optimal.
Mit einer „Tee-Apotheke“ und zahlreichen Arzneiteemischungen.
[mehr]
 
© 2011-2014 Karl und Veronica Carstens-Stiftung | Im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft | Am Deimelsberg 36 | 45276 Essen | Telefon: +49 0201 563050 | Telefax: +49 0201 56305 30