Bild fehlt:/media/banner/672x226_schnupfen_kind.jpg

Schniefnasen aufgepasst!

Salzwasserspülungen lohnen sich bei chronisch verstopfter Nase
Im Volksmund besser bekannt als „Nasendusche“, erfreut sich die Spülung der Nase mit Salzwasser einer langen Tradition. In der fernöstlichen Yoga-Tradition bildet die Nasenspülung gemeinsam mit dem Zähneputzen eine der Grundsäulen der täglichen Hygiene.

Experten der Universität Köln bewerteten nun im Rahmen einer aktuellen Übersichtsarbeit die Studienlage zur Wirksamkeit von Salzwasserspülungen der Nase bei der akuten und chronischen Rhinosinusitis (Entzündung der Nasenschleimhaut und -nebenhöhlen)[1]. Auf der Grundlage mehrerer Studien und Meta-Analysen untersuchten die Kölner Wissenschaftler den Nutzen, die Risiken sowie die richtige Anwendung der Salzwasserspülung im akuten und chronischen Krankheitsfall. In der Analyse wurde auch die S2-Leitlinie „Rhinosinusitis“, erstellt durch die Deutsche Gesellschaft für Otorhinolaryngologie aus dem Jahr 2011, sowie das 2012 publizierte europäische Positionspapier zur Rhinosinusitis und nasalen Polyposis (EPOS), berücksichtigt.
 
Während die Evidenz für Nasenspülungen mit Salzwasser bei der chronischen Rhinosinusitis als gesichert gilt [2], kommen die Autoren eines ebf. durch die Cochrane-Gesellschaft erstellten systematischen Reviews zu der Schlussfolgerung, dass der Nutzen dieser Anwendung im Akutfall nicht ausreichend belegt sei [3]. Da lediglich drei Studien in die Analyse inkludiert worden waren, bedarf es weiterer randomisierter klinischer Studien zur Sicherung der Evidenz der Nasenspülung bei akuter Rhinosinusitis.
 
Hinsichtlich der Anwendung und technischen Durchführung der Nasenspülung mit Salzwasser kommen die Wissenschaftler zu der Schlussfolgerung, dass jene Verfahren sich am erfolgreichsten erwiesen hatten, die mit positivem oder negativem Druck durchgeführt worden waren. Dabei zeigten sich die weit verbreitete Nasendusche sowie der sogenannte „Neti Pot“, ein in der Yoga-Tradition verwendetes Nasenspülkännchen, Gerätschaften mit Pump- oder Spritzmechanismen überlegen.
Auch die Wahl des Salzes sowie die Konzentration der Salzlösung sind entscheidend. Hypertone Salzlösungen zeigten sich besonders im Einsatz bei der chronischen Rhinosinusitis als erfolgreich. Die Konzentration der Salzlösung sollte laut Empfehlung der Wissenschaftler zwischen 2 und 3,5 % betragen, da bei höheren Konzentrationen die Gefahr von Schleimhautreizungen bestehe.
Ein Risiko bei der wiederkehrenden Durchführung von Nasenspülungen besteht in der fehlenden Hygiene bei der Reinigung der Gerätschaften, die zu einer Kontamination der Nasenschleimhaut durch Bakterien und somit zu einem (Wieder-)Auftreten der Infektion führen kann. Zudem besteht bei einer regelmäßigen Anwendung über einen längeren Zeitraum die Gefahr, dass die Nasenschleimhaut verletzt wird und somit ihr natürlicher Schutzmechanismus deaktiviert wird – mit der Folge erhöhter Infektionsgefahr beim Patienten.
 
Fazit der Wissenschaftler: Bei korrekter Anwendung stellt die Nasenspülung mit Salzwasser eine effektive Methode zur Behandlung der chronischen Rhinosinusitis dar. Eine Empfehlung für die Anwendung dieser Therapie bei akuter Rhinosinusitis kann aufgrund der unsicheren Datenlage bisher noch nicht ausgesprochen werden.

Einschätzung:
Die differenzierten Erkenntnisse hinsichtlich der Anwendung dieser Methode besitzen eine hohe Praxisrelevanz und dürften somit vor allem für die Facharztschaft interessant sein. Für einen systematischen Review, wie die Wissenschaftler ihre Arbeit selbst titulieren, hat diese aber doch zu viele Schwächen. Zum Beispiel wäre eine Tabellenübersicht zu den verwendeten Studien hilfreich. Auch vermisst man den für die Auswahl der Studien so wichtigen Kriterienblock. Im Großen und Ganzen bildet die vorliegende Übersichtsarbeit aber eine detaillierte, praxisrelevante Bewertung der Evidenzlage von Salzwasser-Nasenspülungen bei akuter und chronischer Rhinosinusitis.
 
Literatur
  1. Achilles N, Mösges R. Nasal saline irrigations for the symptoms of acute and chronic rhinosinusitis. Curr Allerg Asthma Rep 2013; Epub ahead of print (DOI 10.1007/s11882-013-0339-y) > Abstract
  2. Harvey R, Hannan SA, Badia L, Scadding G. Nasal saline irrigations for the symptoms of chronic rhinosinusitis. Cochrane Database Syst Rev 2007; (3): CD006394 (doi:10.1002/14651858) > Abstract
  3. Kassel JC, King D, Spurling GK. Saline nasal irrigation for acute upper respiratory tract infections. Cochrane Database Syst Rev 2010; (3): CD006821 (doi: 10.1002/14651858) > Abstract
 
Diese Seite
per Email versenden
drucken
share on facebook
 
Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
Telefon
Email
Ratschläge zur Vorbeugung und ersten Hilfe bei einer Erkältung und Tipps für die unterstützende Behandlung der Grippe. [mehr]
 
© 2011-2014 Karl und Veronica Carstens-Stiftung | Im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft | Am Deimelsberg 36 | 45276 Essen | Telefon: +49 0201 563050 | Telefax: +49 0201 56305 30