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Schmerzbewältigung mit Poesie und Musik

Musik und Gedichten lauschen hebt die Stimmung und lässt Schmerzen schwinden
Schmerzen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung betreffen ca. 15 % der Patienten im Anfangsstadium und nahezu 90 % der Patienten im Endstadium der Krankheit. Ursache dieser Schmerzen sind körperliche Veränderungen wie Entzündungen, Nekrosen oder Neuropathien. Aber auch seelische Faktoren wie Angst, Depression, Hilf- und Hoffnungslosigkeit beeinflussen das Schmerzempfinden und damit die Lebensqualität.
 
In einer randomisierten Studie [1] wurde die Wirksamkeit von zwei Formen der Kunsttherapie, Musik und Poesie, in Hinblick auf den Schmerzstatus und die psychische Verfassung von 65 Onkologie-Patienten untersucht. An drei aufeinanderfolgenden Tagen standen den Patienten der Musikgruppe MP3-Geräte mit 30 Minuten instrumentaler Musik zur Verfügung, während die Patienten der Poesiegruppe MP3-Geräte mit Gedichtrezitationen ohne Hintergrundmusik erhielten. Eine dritte Vergleichsgruppe bekam keine der beiden Therapieangebote. Mittels drei verschiedener Testverfahren (Visual Analog Scale, Beck Depression Scale, Herth Hope Scale) wurde die Veränderung des Schmerzlevels als primärer Ergebnisparameter und die Stimmung der Patienten, i.e. Depression und Hoffnung als sekundäre Ergebnisparameter untersucht.
 
Schmerzlevel und Depression waren in der Musikgruppe nach den drei Behandlungstagen signifikant niedriger als vor der Behandlung. Die Poesiegruppe zeigte zusätzlich zu der deutlichen Verbesserung der Schmerz- und Depressionswerte höhere Werte auf der Hoffnungs-Messskala. Im Vergleich mit der Kontrollgruppe ohne Behandlung wiesen die Werte der Musik- und Poesiegruppe lediglich hinsichtlich des Schmerzniveaus statistisch signifikant niedrigere Werte auf (p<0.001).
 
Unerwünschte Nebenwirkungen wurden in keiner der Gruppen beobachtet.

Einschätzung:
Bereits frühere Studien [2] haben gezeigt, dass Musik ein effektives Mittel zur Eindämmung von Schmerzen ist. Rhythmus und Klangfolgen führen zu Entspannung der Muskulatur, zur Ansprache stimmungsbeeinflussender Hirnregionen und zur Produktion von Endorphinen. Auch Gedichte haben eine Rhythmik und durch sprachliche Stilmittel erhalten die gesprochenen Worte einen Klang. Gleichzeitig können Ideen und Gefühle direkt oder bildlich verbalisiert werden. Sowohl Musik als auch Poesie können die eigenen Gefühle ansprechen und zu einem möglicherweise kathartischen Gedankenfluss anregen. Entspannung wiederum senkt nachweislich das Schmerzempfinden.

Die Ergebnisse dieser Studie untermauern und ergänzen, insbesondere hinsichtlich der Anwendung von Gedichtrezitationen, die Erkenntnisse früherer Untersuchungen. Allerdings weist die Publikation einige Schwächen auf: Die Autoren selbst führen an, dass der Behandlungszeitraum mit drei Tagen sehr kurz war und dadurch möglicherweise die Wirkung der Musik auf den Untersuchungsparameter Depression nicht einsetzen konnte (frühere Studien mit längeren Untersuchungszeiträumen führten zu eindeutig positiven Ergebnissen).
Offen bleibt auch, ob die positive Wirkung der beiden Therapieformen nur eine Kurz- oder auch eine Langzeitwirkung hat, und ob diese Therapieform für eine Langzeitanwendung geeignet ist.
Es stellt sich die Frage, wie häufig die Patienten die MP3-Geräte pro Tag nutzen konnten, da beiden Versuchsgruppen nur insgesamt 10 Geräte zur Verfügung standen. Entsprechende Informationen fehlen.
Interessant wäre des Weiteren, ob eine Reduzierung der Schmerzmedikation bei den mit Musik und Poesie behandelten Patienten stattfinden konnte.

Trotz der noch offenen Fragen, erscheint der Einsatz von Poesie- und Musiktherapie bei Schmerzpatienten sinnvoll, da sie eine kostengünstige und einfach einzusetzende Ergänzung zur konventionellen Schmerztherapie darstellen.
 
Literatur
  1. Arruda MA, Garcia MA, Garcia JB. Evaluation of the effects of music and poetry in oncologic pain relief: A randomized clinical trial. J Palliat Med 2016; 19(9): 943-948. > Abstract
  2. Cole LC, LoBiondo-Wood G. Music as an adjuvant therapy in control of pain and symptoms in hospitalized adults: A systematic review. Pain Manag Nurs 2014; 15(1): 406-425. > Abstract
 
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Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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