Bild fehlt:/media/banner/543x183_weihrauch.jpg
15.12.2015

Rund um den Weihrauch

Wieso die vielseitige Pflanze nicht nur als Räuchermittel nützlich ist
Gold, Weihrauch und Myrrhe – das waren die kostbaren Gaben der Weisen aus dem Morgenland für das Christuskind. Weihrauch steht für eine göttliche Gabe. Schon in der Zeit der ägyptischen Pharaonen wird Weihrauch zu kultischen Zwecken verwendet. In der Vorstellung der Gläubigen gelangen durch den aufsteigenden Rauch ihre Bitten zu Gott. Seit Jahrtausenden beschert Weihrauch Kirchen diesen unverwechselbaren Geruch. Ähnlich wie Myrrhe ist es ein begehrtes Räuchermittel, das einen würzigen Duft verströmt. Weihrauchextrakte werden aus den Harzen des arabischen Weihrauches (Boswellia carterii Birdw./ Olibanum) oder des indischen Weihrauches (Boswellia serrata Roxb./ Salai Guggal) gewonnen.

Das Harz des Weihrauchbaumes ist ein traditionelles ayurvedisches Heilmittel, das bereits vor mehr als 3000 Jahren von den Indern zum Beispiel bei der Behandlung von Wunden, Geschwüren und bei entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis, Gicht oder Rheuma verwendet wurde. Wissenschaftliche Untersuchungen und Studien untermauern die Erfahrungen der ayurvedischen Medizin und erbrachten Hinweise auf den mutmaßlichen Wirkungsmechanismus der Weihrauchextrakte.

Zur Wirkungsweise
Derzeit geht man davon aus, dass die Boswelliasäure, die im Weihrauchharz enthalten ist, für die therapeutische Wirkung verantwortlich ist. Bei im Körper auftretenden Entzündungsreaktionen spielt das Enzym Lipoxygenase eine wichtige Rolle. Die Lipoxygenase ist an der Bildung von so genannten Leukotrienen beteiligt. Diese Stoffe halten chronische Entzündungen im Organismus aufrecht. Die Boswelliasäure aus dem Weihrauch hemmt die Lipoxygenase. Dadurch entstehen weniger Leukotriene. Das hat wiederum zur Folge, dass die Entzündungssymptome nachlassen. [1, 2] Herkömmliche Schmerzmittel wie Diclofenac wirken auf sehr ähnliche Weise.

Entzündliche Erkrankungen
Die bisherigen Laborversuche mit dem Rohharz, den verschiedenen Extrakten und Fraktionen aus dem Rohharz wie auch mit Boswelliasäuren weisen auf deutliche, dosisabhängige, antiinflammatorische Wirkungen hin. Auch die bisher durchgeführten klinischen Studien zur Wirkung von Boswellia serrata zeigen die zuverlässigsten Ergebnisse für chronisch-entzündliche Erkrankungen.
So konnte bisher eine Wirksamkeit von Boswellia serrata bei Patienten mit chronischer rheumatoider Arthritis [3], Osteoarthristis, Colitis ulcerosa [4], Morbus Crohn und Asthma bronchiale beobachtet [5] werden. In einer systematischen Übersichtsarbeit wurden die vorliegenden Daten aus randomisierten klinischen Studien zur Wirksamkeit von Boswellia serrata zusammengefasst. Zwischen 1998 und 2008 wurden fünf placebokontrollierte Studien und zwei Studien mit einem Vergleich gegen Standardtherapien publiziert. Die Indikationsgebiete dieser Studien waren: Asthma, Rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn, Osteoarthritis und kollagene Kolitis. Für jede dieser Studien wurden Schwachpunkte ausgemacht: So waren die Patientenzahlen relativ klein und häufig fehlten Daten. In mehreren Studien wurden leichte gastro-intestinale Nebenwirkungen wie Diarrhoe, Übelkeit und Völlegefühl berichtet. Keine Studie zeigt jedoch ein bedenkliches Nebenwirkungsprofil von Boswellia serrata.
Fazit: Die Evidenz der bisher vorliegenden randomisierten klinischen Studien von reinen Boswillia-serrata-Extrakten ist ermutigend, aber noch nicht zwingend beweisend. [6]

Fazit
Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen untermauern die ungewöhnlich lange Anwendungszeit des Weihrauchs in der Volksmedizin. Zusätzlich belegen sie inzwischen auch die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe und deren Angriffspunkte. Bei pflanzlichen Extrakten ist ein derart umfangreicher und detaillierter wissenschaftlicher Kenntnisstand eher selten – insbesondere bei der Anwendung entzündlicher und schmerzhafter Zustände. Auf diese Weise wird das therapeutische Potential des Weihrauchs als Arzneipflanze unterstrichen. Weitere klinische Prüfungen zur Therapie mit Weihrauch sind dringend erforderlich. Die Behandlung von Patienten mit Weihrauch sollte immer als komplementär therapeutischer Ansatz und als Ergänzungstherapie verstanden werden, die nicht den Anspruch erhebt, die Basistherapeutika zu ersetzen. Er kann aber dazu dienen, die Menge der chemischen Keulen zu reduzieren. So wird es möglich, Kortisonpräparate nur bei starken Schüben der Krankheit einzusetzen und in den Zwischenphasen mit Weihrauchpräparaten die Dauerentzündung auf einem niedrigen Niveau zu halten. Für viele Entzündungskrankheiten liegen allerdings noch keine zuverlässigen Heilungszahlen vor.

Achtung:
Die Arzneitherapie mit Weihrauch sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Die richtige Dosierung ist bei der Behandlung von großer Wichtigkeit. Wird der Weihrauchextrakt zu gering dosiert, kann sich die Entzündung verschlimmern. Schwangere und Stillende sollten keine Weihrauchpräparate einnehmen, denn der Einfluss auf die Entwicklung des Ungeborenen oder Säuglings ist unklar.
 
Literatur
  1. Gupta, V.; Parihar, A.; Gupta, S.; Lüdtke, R.; Safayhi, H.; Ammon, H.P.T.: Effects of boswellia serrata gum resin in patients with bronchial asthma: Results of a double-blind, placebo-controlled, 6-week clinical study. Eur J Med Res.1998, 3: 511-514 > Abstract
  2. Parihar, A.; Malhotra, P.; Singh, G.B.; Lüdtke, R.; Safayhi, H.; Ammon, H.P.T.: Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with ulcerative colitis. Eur J Med Res. 1997, 2: 37-43. > Abstract
  3. Klimmatkar, N. etall: Efficacy and tolerability of Boswellia serrata extract in treatment of osteoarthritis of knee – A randomized double blind placebo controlled trial, Phytomed 10 (1), 2003: S.3-7. > Abstract
  4. Gerhardt H et al: Therapie des aktiven Morbus Crohn mit dem Boswellia-serrata-Extrakt H15. Z Gastroenterol 2001; 39: 11-17 > Abstract
  5. Gupta et al.: Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with bronchial asthma: results of a double-blind, placebo-controlled, 6-week clinical study. Eur J Med Res. 1998;3(11):511-4 > Abstract
  6. Boswellia, An evidence-based systematic review by the Natural Standard Research ... Ernst, E. Frankincense, Systematic review, BMJ 2008; 337:a2813; (1-4). > Abstract
Diese Seite
per Email versenden
drucken
share on facebook
 
Karen Hoffschulte
Karen Hoffschulte
Fachbereich Publikationen
Telefon
Email
32 Gewürzportraits und zahlreiche Rezepte – eine echte Medizin aus der Küche. [mehr]
In den letzten Jahren ist der Weihrauch verstärkt als "Wundermittel" in den Medien bezeichnet worden. Welches therapeutisches Potenzial birgt er wirklich? [mehr]
 
© 2011-2014 Karl und Veronica Carstens-Stiftung | Im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft | Am Deimelsberg 36 | 45276 Essen | Telefon: +49 0201 563050 | Telefax: +49 0201 56305 30