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ADHS: Besserer Schlaf, mehr Konzentration

Zappelkinder profitieren von verändertem Schlafverhalten

Zu wenig Schlaf wirkt sich grundsätzlich negativ auf Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeit im Alltag aus, oft begleitet durch erhöhtes Angstverhalten. Bei Kindern mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) sind die Folgen noch verheerender, da sie ohnehin schon mit Einschränkungen im Alltag zu kämpfen haben. Zudem leiden ADHS-Kinder durch krankheitsbedingte neurobiologische Dysregulationen öfter als nicht betroffene Kinder unter Einschlafstörungen.
 
Im Rahmen einer in 21 Kinderarztpraxen durchgeführten Studie wurde über einen Zeitraum von einem halben Jahr beobachtet, wie eine standardisierte Verhaltenstherapie sich auf die Schlafqualität und -länge und somit auf die ADHS-spezifische Symptomatik im Alltag von insgesamt 244 an Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) leidenden Kindern im Alter von 5-12 Jahren auswirkt. [1] Das bereits in einer Pilotstudie in kleinem Rahmen untersuchte Programm zur Verbesserung der Schlafhygiene und Vermittlung von Verhaltensmaßnahmen beinhaltet unter anderem feste Bettzeitroutinen und Entspannungsverfahren. [2] Eltern und Kinder erhielten insgesamt zwei von ausgebildeten Psychologen oder Kindertherapeuten vermittelte Trainingseinheiten. Die Eltern hatten zudem die Möglichkeit telefonischer Beratungen durch die Experten.
 
Im Vergleich mit den Kindern in der Kontrollgruppe, die keine Verhaltenstherapie erhielten, schliefen die Kinder in der Interventionsgruppe im Schnitt nach 3 und 6 Monaten mehr. Die Kinder wiesen in Folge ein höheres Konzentrations- und Lernvermögen, weniger Verhaltensauffälligkeiten in der Schule und weniger Angstgefühle auf. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren jedoch nicht von statistisch relevanter Bedeutung. Die Eltern konnten indirekt insofern von der verbesserten Situation profitieren, als sie durch die Problematik ihrer Kinder bedingt weniger Arbeitsfehlzeiten hatten. 

Einschätzung:
Im Vergleich mit einer medikamentösen Behandlung der Schlafstörungen von ADHS-Kindern, z.B. mit dem Schlafhormon Melatonin, dem bereits in diversen Studien Wirksamkeit attestiert worden ist [3], bietet sich eine nichtinvasive, verhaltenstherapeutische Maßnahme wie das in dieser Studie vorgestellte Programm zur Verbesserung der Schlafhygiene als einfache, kostengünstigere, und dennoch wirksame Option zur Verbesserung der ADHS-Symptomatik im Alltag an. Die positive Entwicklung der Beschwerden war selbst bei den Kindern zu beobachten, die stimulierende Medikamente nahmen.

Tipp:
Viele psychotherapeutische Praxen bieten ein verhaltenstherapeutisches Training zur Verbesserung der Schlafproblematik bei ADHS an. In Kombination mit auf ADHS zugeschnittenen Entspannungsverfahren, Bewegungstherapie, Ernährungsumstellung und Therapien wie z.B. Neurofeedback könnte man ggf. sogar die oft mit Nebenwirkungen behafteten Medikamente (z.B. Methylphenidat-Präparate wie Ritalin) einsparen. Prinzipiell ist die Verhaltenstherapie eine Leistung, die von der gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Dies sollte jedoch im Einzelfall mit der Krankenkasse vorab abgeklärt werden.
 
Literatur
  1. Hiscock H, Sciberras E, Mensah F, Gerner B, Efron D, Khano S, Oberklaid F. Impact of a behavioural sleep intervention on symptoms and sleep in children with attention deficit hyperactivity disorder, and parental mental health: randomised controlled trial. BMJ 2015; 350:h68; doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.h68 > Abstract
  2. Sciberras E, Fulton M, Efron D, Oberklaid F, Hiscock H. Managing sleep problems in school aged children with ADHD: a pilot randomised controlled trial. Sleep Med 2011; 12: 932-935 > Abstract
  3. Bendz LM, Scates AC. Melatonin treatment for insomnia in pediatric patients with attention-deficit/hyperactivity disorder. Ann Pharmacother 2010; 44(1): 185-191. > Abstract
 
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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