Praktiker Leitfaden Mastitis bei Milchkühen

Buchbesprechung
Als Ergebnis eines Forschungsprojektes an der Universität Kassel-Witzenhausen, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, ist dieser Leitfaden zur Behandlung der Mastitis bei Milchkühen entstanden [9]. Er beruht auf den Erfahrungen von 14 Landwirten, die zum Teil schon 15 Jahre lang auf einen Antibiotikaeinsatz verzichtet haben und stattdessen ihre Tiere nach den Leitsätzen der klassischen Homöopathie behandeln.

Die äußere Erscheinung des Leitfadens ist sehr ansprechend mit vielen Bildern, die den Text erklärend unterstützen. Die einzelnen, hier relevanten, homöopathischen Arzneimittel werden vorgestellt und Kerninformationen zur Anwendung bei Milchkühen gleich mitgeliefert. So kann man schnell nach dem aufgetretenen Problem suchen (z.B. Festliegen oder Hornstoß) und bekommt auf einer Seite klar, deutlich und übersichtlich dargestellt, was wie zu tun ist. Dabei ist der Leitfaden in einen prophylaktischen Abschnitt und einen therapeutischen Abschnitt unterteilt.

Im Mittelteil des Buches befindet sich eine kleine Materia medica, die extra auf die akute Euterentzündung bei Milchkühen zugeschnitten ist und somit eine schnelle Mittelfindung ermöglicht. In diesem Zusammenhang widmet sich ein kleiner Abschnitt auch der Generierung von Erreger-Nosoden aus Milchproben: Schritt für Schritt werden anhand von Bildern und kurzen prägnanten Texten Herstellung, Lagerung und Applikation der Nosoden veranschaulicht. Weitere Abschnitte behandeln die Ursachenfindung für Erkrankungssymptome (inklusive eines Brückenschlags zur Akupunktur), die chronischen Krankheiten und einige Praxistipps.

Informationen zum Buch

Eichenhofverlag, Bischhausen
Sybille Maurer
48 Seiten, Format 29,4x20,6 cm, broschiert
Preis: [D] 18 €
ISBN 978-3000347344

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Einschätzung
Dank der schönen Darstellung und der kurzen, prägnanten Lösungsvorschläge ist man mit diesem Leitfaden schnell in der Lage, die richtige homöopathische Therapie auszuwählen. Von dieser Warte aus gesehen, kann der Leitfaden jedem homöopathieinteressierten Milchbauern ans Herz gelegt werden.

Es muss aber auch festgehalten werden, dass die vorgestellten Arzneimittelbilder aus der Humanmedizin abgeleitet wurden; ein Ansatz, den wenigstens einige Veterinärhomöopathen in Frage stellen [7,8,10-12].
Darüber hinaus ist die Studienlage in der Veterinärhomöopathie nicht derart, dass ein Nutzen der Homöopathie bei Prophylaxe oder Therapie der klinischen oder subklinischen Mastitis bewiesen wäre [1,3,6]. Auch bei anderen klinischen Indikationen ist das Bild, dass die klinischen Studien zur Veterinärhomöopathie zeichnen, sehr uneinheitlich mit positiven wie negativen Ergebnissen. Aus den Beschreibungen der Landwirte im Leitfaden wird jedoch deutlich, dass die befragten Höfe einen sehr intensiven Umgang mit ihren Tieren pflegen. Die genaue Beobachtung der Tiere, wie sie der Leitfaden impliziert, ist ja auch Voraussetzung, um nach den Regeln der klassischen Homöopathie behandeln zu können. Insofern wird ein Milchhof wohl von den Maßnahmen im Buch profitieren, sei es nun durch die homöopathische Behandlung oder durch die Kontexteffekte [2,4,5].
 
Literatur
  1. R. Andersson, L. L. Morcillo, and H. Sommer (1997) Untersuchungen über den Einsatz von homöopathischen Arzneimitteln bei der Behandlung und Prophylaxe subklinischer Mastitiden von Milchkühen. Tierärztliche Umschau 52(7), pp. 407-412.
  2. J. Clausen, H. Albrecht, and R. T. Mathie (2012) Veterinary Clinical Research Database for Homeopathy: Placebo-Controlled Trials. Complementary Therapies in Medicine submitted.
  3. L. Hektoen, S. Larsen, S. A. Odegaard, and T. Loken (2004) Comparison of homeopathy, placebo and antibiotic treatment of clinical mastitis in dairy cows - methodological issues and results from a randomized-clinical trial. J Vet.Med.A Physiol Pathol.Clin.Med. 51(9-10), pp. 439-446. > Abstract
  4. S. Ivemeyer (2010) Einfluss der Mensch-Tier-Beziehung Auf die Eutergesundheit von Milchkühen, Universität Kassel / Witzenhausen, Kassel, Germany.
  5. S. Ivemeyer, U. Knierim, and S. Waiblinger (2011) Effect of human-animal relationship and management on udder health in Swiss dairy herds. J Dairy Sci. 94(12), pp. 5890-5902. > Abstract
  6. P. Klocke, S. Ivemeyer, G. Butler, A. Maeschli, and F. Heil (2010) A randomized controlled trial to compare the use of homeopathy and internal Teat Sealers for the prevention of mastitis in organically farmed dairy cows during the dry period and 100 days post-calving. Homeopathy 99(2), pp. 90-98. > Abstract
  7. N. Lagoni (1983) Arzneimittelrechtliche Aspekte zur Homöopathie in der Veterinärmedizin. Praktische Tierarzt 1983(10), pp. 890-896.
  8. W. Löscher (1992) Homöopathie - Eine wirksame und risikoarme Alternative zur konventionellen Pharmakotherapie? Teil 2: Nachweis der Wirksamkeit beim Tier. Deutsche Tierärztliche Wochenschrift 99(3), pp. 85-124.
  9. S. Maurer (2011) Praktiker Leitfaden Mastitis - Klassische Homöopathie, Eichenhof Verlag, Bischhausen, Germany.
  10. K. Röhrs (2005) Homöopathische Arzneimittelbilder in der Veterinärmedizin, KVC Verlag, Essen, Germany. > Abstract
  11. A. Schütte (2006) Leitfaden zur Homöopathischen Behandlung Von Schweinen, Vol. 1, KVC Verlag, Essen, Germany. > Abstract
  12. H. Wolter (1969) Weitere Erfahrungen mit Flor de Piedra. Allgemeine Homöopathische Zeitung 214(10), pp. 433-439. > Abstract
 
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Dr. Jürgen Clausen
Fachbereich Wissenschaftliche Recherche und Forschung
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