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18.01.2016

Optimierungsstrategien bei Demenz

Carstens-Stiftung und FAU ermöglichen neue Perspektive auf die Erkrankung
Wie kann man das Risiko minimieren, an Demenz zu erkranken? Welche nicht-medikamentösen Therapien sind sinnvoll? Was funktioniert gut und was weniger gut in der Versorgung von Menschen mit Demenz? Darüber diskutierten Wissenschaftler aus ganz Deutschland auf der 1. Erlanger Expertenkonferenz an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Konferenz bildete den Startschuss für ein dreijähriges Forschungsprojekt, das die Carstens-Stiftung aus Essen mit 300.000 Euro fördert.

1,5 Millionen Demenz-Erkrankte leben aktuell in Deutschland. Doch kausale Therapieansätze mit Arzneimitteln sind bisher nicht in Sicht – eine große Herausforderung für Gesellschaft und Wissenschaft gleichermaßen. Die Essener Carstens-Stiftung nimmt diese Herausforderung an und fördert mit 300.000 Euro das Projekt "Optimierungsstrategien bei Demenz" (OptiDem), bei dem Projektleiter Professor Dr. Elmar Gräßel, Versorgungsforscher am Uni-Klinikum Erlangen der FAU, und Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland zusammenarbeiten.

Kern des auf drei Jahre angelegten Projektes ist ein sogenanntes Graduiertenkolleg: Durch die Gewinnung von insgesamt 12 geeigneten Promovierenden und deren wissenschaftlicher Schulung wird zum einen die Nachwuchsförderung auf diesem bisher wenig erschlossenen Gebiet in Deutschland gestärkt. Zum anderen werden die 12 Doktorarbeiten neue Erkenntnisse zur Demenz gewinnen. Ermöglicht wird dies durch einen multidisziplinären Ansatz, der sich auf drei Schwerpunkte stützt. Diese stellten die Wissenschaftler auf der Expertenkonferenz vergangenen Donnerstag vor.

Primäre Prävention
Leider ist eine Demenz nach aktuellem Wissensstand nicht heilbar – aber kann man ihre Entstehung verhindern oder deutlich hinauszögern? Es gibt vielversprechende Hinweise darauf, dass der Lebensstil eine entscheidende Rolle für das (Nicht-)Auftreten der Erkrankung spielt. Vielversprechend deshalb, weil das Reduzieren von Risikofaktoren und das Modifizieren von Gewohnheiten schon in jüngeren Jahren dann als entscheidende Bausteine in der Demenz-Prävention etabliert werden könnten. Bewegung, Ernährung bzw. die ausreichende Versorgung mit bestimmten Nährstoffen, wie Vitamin D, oder die Balance aus Omega-3- und -6-Fettsäuren, sind nur einige Ansatzpunkte von vielen. Lässt sich die Alzheimer-Erkrankung als Diabetes Typ 3 auffassen? Welche Rolle spielt das Erleben von Stress für das spätere Entstehen einer Demenz? Dies sind mögliche Forschungsfragen für das Graduiertenkolleg.

Nicht-pharmakologische Therapieverfahren bei Demenz
Der multidisziplinäre Ansatz des Projektes wird besonders beim Bestreben deutlich, wirksame nicht-pharmakologische Therapieverfahren der Demenz zu identifizieren. Experten aus der Allgemeinmedizin, der Komplementärmedizin, der Pflege sowie für Public Health stellten verschiedene mögliche Therapieansätze vor, machten aber auch den Forschungsbedarf deutlich. So weiß man beispielsweise, dass Akupunktur und Aromatherapie einen positiven Einfluss haben können, unklar ist jedoch, ob sich diese Verfahren generell oder nur unter individuellen Voraussetzungen für Menschen mit Demenz eignen. "Welche Einschlusskriterien und welche methodischen Fragestellungen sind notwendig, um tatsächlich Wissen zu erzielen? Darauf wird im Graduiertenkolleg geachtet werden", pointierte Professor Gräßel, um gleich zu ergänzen: "Dabei muss eine wichtige Erkenntnis jedoch im Blick bleiben: Es interagieren immer Menschen miteinander!"

Gemeint ist damit die Tatsache, dass Menschen mit Demenz häufig das Gefühl für die eigene Persönlichkeit verlieren und die Fähigkeit, Emotionen zuzuordnen und adäquat auszudrücken. Tatsächlich gehören Kommunikationsstörungen zu den Symptomen, die den Umgang mit den Betroffenen besonders erschweren. Mitgefühl und Wertschätzung sind daher wichtige Gebote für Therapeuten. Damit sind Kunst- und Musiktherapie als non-verbales Kommunikationsangebot für Demenzbetroffene geeignete Forschungsfelder im Graduiertenkolleg.

Neben dem Beziehungsaspekt rückte auch der Einsatz von Technologie in den Fokus. Kann ein Tablet mit Apps dabei helfen, die geistige Beweglichkeit zu erhalten oder stellt es eher eine Barriere zwischen Patient und Therapeut dar? Können z.B. Navigationshilfen dazu beitragen, die Autonomie von Demenz-Patienten länger zu bewahren?

Versorgungsdefizite bei Demenz und Strategien zu deren Behebung
In diesem Themenbereich wurden zwei Aspekte diskutiert: Zum einen dauert es noch immer viel zu lange, bis eine Demenz als solche erkannt wird. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen geschieht dies erst ein Jahr nach Auftreten des ersten Symptoms, wodurch sowohl Patienten als auch ihre Angehörigen unnötig lange unaufgeklärt und allein gelassen bleiben. Hier gilt es also, den Zugang zur Früherkennung zu vergrößern.

Zum anderen ist die ethische Dimension der Demenz-Therapie wichtig. Eines der größten Anliegen von Demenz-Patienten ist die Inklusion, die Teilhabe am sozialen Leben. Dies wirft die Frage auf, ob Demenz-Stationen und spezialisierte Pflegeheime der richtige Weg sind, bzw. wie diese strukturiert sein müssen, um eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten. Auch damit wird sich das Graduiertenkolleg beschäftigen.

Fazit
"In unserem Projekt betreiben wir Forschung, die an den Menschen und ihren Bedürfnissen ausgerichtet ist", so Professor Gräßel, "und die durch die Fokussierung auf die drei Schwerpunkte eine umfassende, neue Perspektive auf die mit Demenz assoziierten Probleme werfen wird." "Dass durch das Graduiertenkolleg gleich innovative Lösungsansätze erarbeiten werden können, freut mich besonders", ergänzt Dr. Beate Stock-Schröer, Leiterin des Fachbereichs Nachwuchsförderung der Carstens-Stiftung. Nicole Germeroth, Geschäftsführerin, stimmt überein: "Dieses Projekt liegt der Stiftung schon lange am Herzen, denn so können wir dazu beitragen, dass Betroffene zukünftig die bestmögliche Versorgung – aus konventioneller und komplementärer Medizin gleichermaßen – erhalten. Genau das ist der Anspruch der Carstens-Stiftung."


Auf dem Bild: Das Experten-Kernteam von OptiDem, v.l.n.r. Dr. Anna Pendergrass (Universitätsklinik Erlangen), Prof. Dr. med. Andreas Frewer (Institut für Geschichte und Ethik der Medizin), Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Rapp (Universität Potsdam), Prof. Dr. med. Elmar Gräßel (Universitätsklinik Erlangen), Prof. Dr. med. Stefanie Joos (Universitätsklinikum Tübingen), Univ.-Prof. Dr. med. Peter Kolominsky-Rabas (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
 
 
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Michèl Gehrke, M.A.
Michèl Gehrke, M.A.
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Martin Loef hat in seiner empirischen Doktorarbeit die vielfältigen Dimensionen des Lebensstils und ihre Auswirkungen auf die Demenz untersucht. Durch sorgfältige Auswertungen der Determinanten kommt er dabei einem lebensstilbasierten Programm zur Vorbeugung sehr nahe. [mehr]
 
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