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21.09.2015

Welt-Alzheimer-Tag: Nichtmedikamentöse Therapien bei Demenz und Alzheimer

Forschungserfolge und Forschungsauftrag
Unsere Gesellschaft altert. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes werden bis 2060 von 100 Personen in Deutschland etwa 63 im Rentenalter und nur 37 im erwerbsfähigen Alter sein (1). Entsprechend ist auch eine Zunahme von Alterserkrankungen zu erwarten. Schon heute sind zahlreiche Menschen von Alzheimer, einer Form der Demenz, betroffen. Gleichzeitig warnt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie vor einer steigenden Multimedikation und damit verbundenen Wechsel- und Nebenwirkungen (2). Es ist daher notwendig, auch nicht-medikamentöse Therapien bei Demenz zu finden und zu prüfen. Forscherteams um Prof. Dr. Elmar Gräßel, Leiter des Zentrums Medizinische Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Erlangen, haben dies mit guten Ergebnissen getan. Zwei Beispielprojekte (3).

BeWiTa
Bei der 5-monatigen Verlaufsstudie "BeWiTa" (4) wurden zuhause lebenden Menschen mit Gedächtniseinbußen ("Betroffene") und ihren Angehörigen wahlweise sportpädagogisch angeleitetes Bewegungstraining, Kegeln, sensomotorisches Training mit elektronischen Sportspielen (Wii) oder Tanzen angeboten. 36 Paare, d.h. 36 Betroffene und 36 Angehörige, nahmen einmal wöchentlich für eine Stunde unter Anleitung an einem der genannten Bewegungsförderprogramme teil. Nach der Förderphase zeigte sich durchschnittlich eine Stabilisierung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen, als auch der Lebens- und Beziehungsqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Zusätzlich zeigte eine Profilanalyse, dass eine Verbesserung der psychischen Lebensqualität bei denjenigen Angehörigen erreicht werden konnte, die zu Beginn der Studie eine niedrige psychische Lebensqualität aufwiesen und bei solchen, die nicht mit dem Betroffenen zusammenlebten.

BeWiTa wurde nicht nur mit dem Forschungsförderpreis 2010 der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. ausgezeichnet. Die Tatsache, dass seit dem Ende der Förderphase im Sommer 2011 von den ehemals sechs BeWiTa-Gruppen fünf weitergeführt werden – drei in Eigenregie eines pflegenden Angehörigen, eine mit Anleitung durch eine Honorarkraft und ein Bewegungsangebot unter professioneller Begleitung – dokumentiert den Bedarf, die Akzeptanz und die Wertschätzung solcher Aktivierungsprogramme.

MAKS
Bei der "MAKS"-Therapie (5) handelt es sich um ein speziell auf die Bedürfnisse demenzkranker Personen abgestimmtes Konzept zur ganzheitlichen Ressourcenförderung, welches aus vier Komponenten besteht: Motorische, Alltagspraktische und Kognitive Aktivierung mit einer Spirituellen Einstimmung. 98 Bewohnerinnen und Bewohner mit primär degenerativer Demenz aus fünf Pflegeheimen nahmen über einen Zeitraum von 12 Monaten an der multizentrischen, einfach-verblindeten, randomisiert-kontrollierten Verlaufsstudie teil. Die Interventionsgruppen nahmen für zwei Stunden täglich an sechs Tagen in der Woche an der MAKS-Therapie teil, während die Kontrollgruppen die übliche Versorgung im Pflegeheim erhielten. Dabei zeigte sich, dass die MAKS-Therapie genauso intensiv auf die Kognition wirkt, wie die zur Zeit effektivsten Medikamente gegen die Alzheimer-Demenz. Intensiver als Medikamente wirkt sie sogar auf die alltagspraktischen Fähigkeiten. Dabei verursacht MAKS keine Nebenwirkungen, im Gegenteil: Die Therapie verschafft den Teilnehmenden zusätzlich noch eine positiv erlebte Zeit in Gesellschaft und vermindert Depressivität.

Das Projekt (www.maks-aktiv.de) wurde 2011 mit dem Erlanger Preis für Medizin und Technik in der Kategorie "Gesundheit und Prävention" ausgezeichnet.

Die Zukunft
Die oben genannten Erfolge sind wichtige Grundsteine für ganzheitliche Versorgung von Menschen mit Demenz, aber es müssen weitere folgen. Gemäß ihres Förderschwerpunktes treibt die Carstens-Stiftung die wissenschaftliche Untersuchung komplementärmedizinischer Therapien bei dieser Erkrankung weiter voran. Wir freuen uns, für dieses Vorhaben Prof. Dr. Elmar Gräßel gewonnen zu haben. Unsere gemeinsame "Forschungsplattform Demenz" startet im Januar 2016. Weitere Details hierzu in Kürze.
 
Literatur
  1. Bevölkerung Deutschlands bis 2060. 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. > Abstract
  2. PM: Gefahr Multimedikation: "Der Löschwasserschaden ist oft größer als der Brandschaden" > Abstract
  3. Gräßel E, Siebert J, Ulbrecht G, Stemmer R. Was leisten "nicht-medikamentöse" Therapien bei Demenz? Ein Überblick über aktuelle Projekte.
  4. Ulbrecht G, Ziebell E, Eichenseer B, Mückschel H-D, Gräßel E. BeWiTa: eine Studie zu ambulanten Bewegungsangeboten in der Gruppe für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. NeuroGeriatrie 2013; 10 (4): 135-142.
  5. Alzheimer's Disease International: Welt-Alzheimer-Bericht 2015 > Abstract
  6. Gräßel E, Stemmer R, Eichenseer B, Pickel S, Donath C, Kornhuber J, Luttenberger K. Non-pharmacological, multicomponent group therapy in patients with degenerative dementia: a 12-month randomizied, controlled trial. BMC Med. 2011 Dec 1;9:129. doi: 10.1186/1741-7015-9-129. > Abstract
 
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