Natürlich durch die Wechseljahre

Immer mehr Frauen in der Menopause nutzen Naturheilverfahren
Die Hormonersatztherapie (HET) stellte über Jahrzehnte hinweg den standardgemäßen Behandlungsansatz zur Bewältigung von Wechseljahresbeschwerden dar. Aufgrund zunehmender Erkenntnisse über mögliche Nebenwirkungen der hormonellen Therapie interessieren sich immer mehr betroffene Frauen für natürliche Methoden, mit denen sie ihre Beschwerden in den Griff bekommen können.
 
Eine aktuelle Befragung von Frauen in der Menopause zeigt den aktuellen Stand der Therapiewahl bei postmenopausalen Beschwerden in Deutschland auf. Ein selbstentwickelter, in 12 Kategorien unterteilter Fragebogen wurde dazu an 9785 Frauen im Alter zwischen 45 und 60 Jahren geschickt. Neben Einzelheiten wie die subjektive Wahrnehmung der auftretenden Symptome wurde erhoben, auf welche Therapien die Wahl der Frauen fiel (komplementärmedizinische Ansätze oder HET) und welche subjektiv empfundene Linderung die angewandten Therapien zeigten. Von den 1893 zurückgekehrten, ausgefüllten Fragebögen, was einer Rücklaufquote von nicht ganz 20% entspricht, erfüllten 1872 die Maßgaben zur Auswertung.
Mehr als die Hälfte der Frauen in der Auswertung (56%) gaben an, die wechseljahresspezifischen Symptome mit der einen oder anderen Methode zu behandeln. Knapp 65% dieser Frauen wendeten eine oder mehrere naturheilkundliche Behandlungsmethoden an, rund 14% bekam lediglich die HET, während rund 21% der befragten Frauen Naturheilmethoden und HET in Kombination nutzten.
 
Die Nutzung einzelner Therapien korreliert offenbar eng mit dem Schweregrad der Beschwerden. Die meisten Frauen beurteilten eine Lebensstilmodifikation (z.B. mehr Sport, Ernährungsumstellung) als effektiv, gefolgt von Johanniskrautpräparaten und Homöopathie. Auch die seltener genutzte Akupunktur sowie Hormon-Yoga wurde von den Befragten positiv bewertet. Weniger gut schnitten sog. Phyto-Östrogene wie Traubensilberkerzen-Präparate ab. Je heftiger die Frauen unter ihren Beschwerden litten, desto wahrscheinlicher war es, dass sie sich für die HET entschieden (rund 82% der Frauen mit schweren Symptomen). Bis auf die Lebensstilmodifikation spielten andere komplementärmedizinische Verfahren in Begleitung der HET in diesem Kontext eine wesentlich geringere Rolle.

Einschätzung:
Unter dem Strich nutzte rund die Hälfte der befragten Frauen ein oder mehr Naturheilverfahren, entweder ausschließlich oder in Kombination mit der HET. Herausragend ist hier, dass rund Dreiviertel der Frauen, die sich homöopathisch behandeln ließen, Homöopathie als sehr geeignet zur Therapie ihrer Symptome bewerteten.

Die Erkenntnisse aus dieser Erhebung sind dennoch mit Vorsicht zu bewerten, handelt es sich bei den Frauen, die bereitwillig die Fragebögen zurückschickten, um besonders gesundheitsbewusste (und meist auch gebildetere) Frauen. Möglich ist auch, dass die Befragten nicht genau wussten, welche Therapien unter den Begriff „Komplementär- und Alternativmedizin“ fallen. Die niedrige Rücklaufquote könnte die Ergebnisse ebenfalls verzerrt haben.

Gleichwohl suggeriert diese Umfrage, dass Naturheilverfahren unter Frauen in den Wechseljahren durchaus akzeptiert und geschätzt werden. Eine Orientierungshilfe für die Durchführung von kontrollierten Studien auf diesem Gebiet liefert die Erhebung allemal.
 
Literatur
  1. Buhling KJ, Daniels B v, Studnitz FSG v, Eulenburg C, Mueck AO. The use of complementary and alternative medicine by women transitioning through menopause in Germany. Results fo a survey of women aged 45-60 years. Complement Ther Med 2014; 22: 94-98 > Abstract
 
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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