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Wirksamkeit von Nachtkerzen- und Borretschöl bei Neurodermitis

Nebenwirkungsarm, aber nicht besser als Placebo?
Über die Ursachen der Neurodermitis (auch: atopische Dermatitis, atopisches Ekzem) existieren diverse Spekulationen. Unter anderem vermuten Wissenschaftler, dass die Erkrankung auf einer genetischen Disposition beruht, die sich in einem Mangel jener Enzyme ausdrückt, welche für die Umwandlung von Linolsäure in Gamma-Linolsäure verantwortlich ist. Ein Defizit dieser essenziellen Fettsäure kann sich in der Entwicklung einer atopischen Dermatitis äußern. Eine Supplementierung des fehlenden Grundstoffs erscheint vor diesem Hintergrund dementsprechend als sinnvoll. Auch aufgrund der Nebenwirkungen konventioneller Medikationen wie Corticosteroiden erweist sich eine Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit einer pflanzlichen Alternative als gerechtfertigt.
Der hohe Gehalt von 8 bis 10 % Gamma-Linolensäure in der Nachtkerze (Oenothera biennis) und sogar 23 % im Borretsch (Borago officinalis) veranlasste Wissenschaftler nun zu einer Überprüfung der klinischen Evidenz der Öle beider Pflanzen im Rahmen eines systematischen Cochrane-Reviews.
 
Insgesamt 27 randomisierte Studien mit 1596 Kindern und Erwachsenen aus zehn Ländern entsprachen den Einschlusskriterien und wurden in die Analyse aufgenommen. Die Wirkung oral eingenommenen Nachtkerzenöls untersuchten 19 Studien, 8 Studien konzentrierten sich auf die Behandlung der Neurodermitis mit oral verabreichtem Borretsch(samen)öl. Die Dauer der Behandlung in den einzelnen Studien betrug zwischen drei und 24 Wochen. Als Placebokontrollen dienten Paraffin-, Sonnenblumen-, Kokosnuss-, Palm-, Oliven- oder Maisöl, Glandol oder Miglyol.
 
In zehn Studien verbesserte sich die subjektive Situation der Probanden unter der Einnahme von Nachtkerzenöl signifikant, die Ärzte attestierten den Patienten sogar eine signifikante Verbesserung ihrer Symptomatik in 14 Studien. Für Borretschöl war eine subjektive, signifikante Verbesserung nur in zwei Studien zu beobachten, während die Ärzte diese Beobachtung in fünf Studien machten. Durchweg waren nur wenige, geringfügige Nebenwirkungen zu beklagen. Allerdings lagen den Autoren zu diesem sekundären Endziel nicht ausreichend Daten für eine detaillierte statistische Analyse vor.
Unter dem Strich profitierten die Studienteilnehmer im Vergleich mit der Placebo-Kontrolle weder von der Therapie mit Nachtkerzenöl noch von der Einnahme des Borretschöls – die Effekte der pflanzlichen Öle und der Placebo-Öle waren in etwa vergleichbar gut.

Einschätzung:
Insgesamt waren die in diesem Cochrane-Review eingeschlossenen Studien weitgehend von akzeptabler Qualität: In punkto Verblindung, Randomisierung und Vergleichbarkeit bestand kein Grund zur Beanstandung seitens der Autoren. Lediglich ein leichter Bias hinsichtlich inadäquater Berichterstattung der Zielparameter in einem Drittel der Studien war zu bemängeln.

Rückschlüsse auf die Verbesserung der Lebensqualität zu ziehen war den Autoren des Reviews nicht möglich, da nur zwei Studien diesen Parameter berücksichtigten. Letztendlich betrachteten sie nur die Entwicklung der krankheitsspezifischen Symptomatik. Hinsichtlich der Problematik medikamentöser Nebenwirkungen wäre dies jedoch ein wichtiger Aspekt zur Beurteilung potenzieller Vorteile der pflanzlichen Alternativen. Somit erfasst das Ergebnis der vorliegenden Analyse nur einen Teilaspekt, jedoch nicht das Gesamtbild aller zu berücksichtigenden Spezifika einer Neurodermitis-Therapie mit Nachtkerzen- oder Borretschöl.

Bevor nicht geklärt ist, ob eine Therapie mit den untersuchten pflanzlichen Ölen gegenüber der konventionellen Medikation nicht doch Vorteile wie die Reduzierung von Nebenwirkungen und infolgedessen eine Verbesserung der Lebensqualität aufweist, ist das letzte Wort über die Angemessenheit der pflanzlichen Alternative in der Neurodermitis-Therapie nicht gesprochen. Interessant wäre auch ein Vergleich der pflanzlichen Interventionen mit den Standard-Medikationen, die üblicherweise verabreicht werden.

Verlässliche Studien, die diese Aspekte berücksichtigen, wären entgegen der gegensätzlich verlautbarten Empfehlung seitens der Autoren zur Klärung somit wünschenswert.

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Literatur
  1. Bamford JTM, Ray S, Musekiwa A, van Gool C, Humphreys R, Ernst E. Oral evening primrose oil and borage oil for eczema. Cochr Database Sys Rev 2013, Issue 4. Art. No.: CD004416 (DOI: 10.1002/14651858.CD004416.pub2)
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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