17.08.2011

Mistelextrakt bei chronischer Hepatitis C

Studie der Freiburger Ambulanz für Naturheilverfahren
Zur Sache
Die chronische Hepatitis C, eine virusbedingte Entzündung des Lebergewebes, ist eine häufige Ursache der Leberzirrhose. Sie hat gravierende Folgeerscheinungen: So kann es zu „Krampfadern“ in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen), Leberkrebs und Leberversagen kommen. In Deutschland rechnet man mit 500.000 chronisch HCV Infizierten.

Der Verlauf der chronischen Hepatitis C ist in der Regel langsam fortschreitend. Charakteristisch sind dauerhaft erhöhte, wenn auch stark schwankende Werte der Leberenzyme, insbesondere der Transaminasen. Zur Entwicklung einer Leberzirrhose kommt es bei 20-30% der Infizierten.

Eine Spontanheilung ist bei der chronischen Hepatitis C extrem selten. Die Hauptrolle bei der Leberzellschädigung scheinen nicht die Viren selbst zu haben, vielmehr wird dem Zustand des Immunsystems eine große Bedeutung beigemessen.

Die konventionelle Therapie
Die Standardbehandlung der chronischen Hepatitis C-Infektion erfolgt heute mit Interferon. Sie ist bei etwa 50% der Patienten primär erfolgreich, allerdings kommt es bei der Hälfte dieser Patienten zu einem Wiederanstieg der Leberenzyme nach Absetzen des Interferons, so dass die Rate dauerhaften Erfolges nur bei ca. 25% liegt. Dieser langfristig noch unbefriedigende Therapieerfolg sowie die hohe Rate an Nebenwirkungen – insbesondere Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, Abgeschlagenheit – und Komplikationen (z.B. akute Psychose, Schilddrüsenentzündung) und schließlich die hohen Kosten der Therapie zeigen den Forschungsbedarf für Therapiealternativen an.

Alternative Therapie mit Mistelpräparaten
Mistelpräparate finden vor allem in der Krebstherapie Anwendung. Sie wirken dabei einerseits als Zellgift unmittelbar auf den Tumor, daneben jedoch auch anregend bzw. modulierend auf das Immunsystem. Bei subcutaner Anwendung – Mistelpräparate werden in der Regel unter die Haut gespritzt – kommt es neben der Stimulation des unspezifischen Immunsystems häufig auch zu einer Stimulation des spezifischen Immunsystems mit Aktivierung insbesondere der T-Helfer-2-Zellen.

Um die Wirkung des Mistelextraktes auf das Immunsystem genauer zu untersuchen, wurde von der Freiburger Ambulanz für Naturheilverfahren erstmalig eine Studie an Gesunden durchgeführt. Sie zeigte, dass es während der Verabreichung eines lektinreichen Mistelpräparates zu einer verringerten Häufigkeit und verkürzten Dauer grippaler Infekte kam.

Aufgrund der positiven immunmodulierenden Erfolge der Mistel wurde die Anwendung auch bei der chronischen Hepatitis C untersucht.

Zur Studie
Nach einer Vorbeobachtungsphase von sechs Monaten ohne Therapie, in der die Leberwerte monatlich kontrolliert wurden, wurde bei 25 Patienten mit gesicherter chronischer Hepatitis C eine subcutane Misteltherapie durchgeführt. Die Vorbeobachtungsphase war erforderlich, da die Leberwerte spontan starken Schwankungen unterliegen und nur eine Kenntnis dieser individuellen Schwankungsbreite eine Aussage über einen eventuellen Therapieerfolg erlaubt.

Ergebnisse
Die Verträglichkeit war sehr gut. Kein Patient hat wegen Nebenwirkungen die Studie vorzeitig beendet. Die Misteltherapie konnte zu einer deutlichen Besserung der Hepatitis C-typischen Beschwerden – insbesondere der chronischen Abgeschlagenheit – führen. Eine Viruselimination (d.h. Viren unter der Nachweisgrenze) oder eine Normalisierung der Leberwerte, wie von anderen Arbeitsgruppen beschrieben, konnte in der Freiburger Studie allerdings bei keinem der Patienten beobachtet werden.

Ausblick
Nachdem die Misteltherapie ein Forschungsschwerpunkt der Ambulanz für Naturheilverfahren und Umweltmedizin ist, wurde die Ambulanz gebeten, an einer systematischen Übersichtsarbeit (Review) zur Beurteilung der klinischen Studien zur Misteltherapie mitzuwirken. Der Review wird nach strengen Kriterien über die Beurteilung klinischer Studien durchgeführt (Cochrane-Gruppe). Nach diesen Kriterien durchgeführte Reviews haben nach dem heutigen wissenschaftlichen Stand einen sehr hohen Stellenwert und werden international akzeptiert.
 
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