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25.11.2015

Mehr als Wellness?!

Saunieren: nur angenehm oder auch gesundheitsfördernd?
Saunabaden gehört bereits seit langen Zeiten zur Kulturgeschichte der Menschheit: Belege für sogenannte Steinschwitzbäder lassen sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Durch die Antike und das Mittelalter hindurch sprach man Dampfbädern und anderen saunaähnlichen Anwendungen gesundheitsfördernde Wirkungen zu. Heutzutage gilt der Saunabesuch vielen Menschen zumindest als entspannende Wellness-Maßnahme. In einer neuen Übersichtsarbeit [1] kommt Reiner Brenke, Facharzt für Physikalische Medizin, zu dem Schluss, dass damit das Potenzial des wohltuenden Wärmebades in Kombination mit Kältereizen noch längst nicht ausgeschöpft ist. Erkenntnisse aus klinischen Studien geben zunehmend Anlass, die Sauna als wirksames Präventions- und Therapieinstrument im Hinblick auf verschiedene Erkrankungen ernst zu nehmen und gezielt einzusetzen.

Abhärtung
Viele Menschen verbinden mit Sauna zuallererst den Gedanken an "Abhärtung". Hierunter wird eine erhöhte Widerstandsfähigkeit, insbesondere gegenüber grippalen Infekten, verstanden. Tatsächlich ist schon lange bekannt, dass regelmäßige Saunabesuche die Häufigkeit und Schwere solcher Erkrankungen reduzieren, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. [2-7] Für den Abhärtungseffekt sind verschiedene körperliche Prozesse verantwortlich: Die Durchblutungsregulation und der Temperaturhaushalt werden trainiert, das Nervensystem erfährt eine Stabilisierung mit Abnahme des Sympathikotonus (Entspannung), das antioxidative Schutzpotential zur Abwehr gesundheitsschädlicher freier Radikale wird erhöht usw. [8, 9]

Freie Radikale "kommen ins Schwitzen"
Dem letztgenannten Mechanismus kommt eine besondere Bedeutung zu, da freie Radikale an vielen Krankheitsprozessen beteiligt sind. Sie werden zunehmend mit Krankheiten wie Krebs, Arteriosklerose, Diabetes mellitus oder Alzheimer in Verbindung gebracht. Als gesundheitsfördernd gilt daher deren möglichst weitgehende Reduzierung. Saunagänge erhöhen nun zwar zunächst den oxidativen Stress, aber langfristig fördern sie offenbar körpereigene Mechanismen zur Bewältigung freier Radikale. [10, 11] Diese Auffassung stützen nun auch neuere Untersuchungen an Sportlern, die nach dem Training einen Saunabesuch absolvierten. [12, 13]

Risiko und Nutzen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Umstritten war längere Zeit der Nutzen des regelmäßigen Saunierens in Bezug auf Vorbeugung und Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Hypertonie und koronare Herzerkrankung. Manche Experten sprachen sogar deutliche Warnungen für Patienten aus, bei denen diese und ähnliche Krankheitsbilder vorlagen, so dass das Verhältnis von Risiko und Nutzen als nicht abschließend geklärt betrachtet werden musste. [14] Mittlerweile können aber die günstigen Auswirkungen des Saunabadens bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen als gesichert angesehen werden, sofern man es unter Berücksichtigung des individuellen Gesundheitszustands nicht übertreibt und möglicherweise das Tauchbecken meidet. [15-19]

Rheuma & Co.
Für Menschen, die an Rheuma, Arthritis, Fibromyalgie (Weichteilrheuma) u.ä. Beschwerden leiden, stellen insbesondere die häufig vorhandenen starken Schmerzen eine schwerwiegende Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität dar. Mehrere Untersuchungen belegen, dass Patienten, die unter Erkrankungen des Bewegungsapparates leiden, von Saunagängen profitieren können: Im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2009 berichten Patienten mit rheumatoider Arthritis, die über vier Wochen zwei Saunabesuche wöchentlich absolvierten, regelmäßig über eine signifikante Besserung ihrer Schmerzen sowie der Beweglichkeit. Die positiven Effekte hielten über längere Zeit an, obwohl keine Veränderung der Entzündungsprozesse, die der Erkrankung zugrunde liegen, festgestellt werden konnte. [20]
Bei der Fibromyalgie sehen Experten ein wichtiges Therapieziel darin, insbesondere der Chronifizierung der Schmerzen vorzubeugen. Hierzu dient langfristig vor allem aktive Bewegung in unterschiedlichen Formen. Vor allem zu Beginn der Erkrankung steht vielen Betroffenen jedoch der Sinn eher nach Ruhe und Wärme. Neuere Erkenntnisse untermauern diesen Wunsch: Matsumoto und Kollegen konnten in einer Studie mit 44 Fibromyalgie-Patientinnen zeigen, dass drei Saunabesuche (plus einmal Bewegungsbad) pro Woche über einen Zeitraum von zwölf Wochen zu einer Reduktion des Schmerzlevels um 31 bis 77% führte. Eine Folgebefragung nach sechs Monaten ergab, dass dieser Effekt nahezu unverändert erhalten blieb. [21]

Fazit
Insgesamt geht der Trend dahin, dass viele der traditionellen Indikationen des Saunabadens durch neuere wissenschaftliche Befunde gestützt werden. Viele Anwendungsgebiete sind aber nach wie vor nicht durch Studien belegt, sondern stammen allein aus Erfahrung und Überlieferung. [22] Die vorliegenden Daten geben jedoch bereits genügend Anlass zu der Feststellung, dass die Möglichkeiten der gezielten medizinischen Anwendung des Saunierens vor allem in Bezug auf sogenannte Zivilisationskrankheiten mehr Beachtung finden sollten. Obwohl eben keine reine Wellnessmaßnahme, ist es den meisten Menschen überdies äußerst angenehm, was den Einsatz als Therapiemaßnahme erleichtern dürfte.
 
Literatur
  1. Brenke R.: Das Potenzial der Sauna im Rahmen der Prävention - eine Übersicht neuerer Erkenntnisse. Forsch Komplementmed 2015;22:320-325. > Abstract
  2. Conradi E, Brenke R, Philipp S: Häufigkeit respiratorischer Erkrankungen und sekretorisches Immunglobulin A im Speichel unter dem Einfluß regelmäßigen Saunabadens von Kindern. Phys Med Kur Med 1992;2:19-21. > Abstract
  3. Einenkel D: Verbesserung des Gesundheitszustandes von Kindergartenkindern im Kreis Annaberg durch den regelmäßigen Besuch einer Betriebssauna. Z Ärztl Fortb 1977;71:1069-1071. > Abstract
  4. Eisermann P: Langzeitstudie zum regelmäßigen Saunabaden einer Kindergruppe hinsichtlich thermischer Konditionierung. Dissertation, Berlin, Humboldt-Universität, 1985.
  5. Ernst E, Wirz P, Pecho L: Wechselduschen und Sauna schützen vor Erkältung. Z. Allg Med 1990;66:56-60.
  6. Hartmann A: Die «Asiatische» Grippe 1957 - die Sauna als Prophylaktikum. Hippokrates 1958;29:153-154.
  7. Schaffranek L: Auswirkung der Sauna auf die Häufigkeit der Erkältungskrankheiten und die Ar-beitsunfähigkeitsdauer. Sauna-Arch 1968;6:23-25.
  8. Brenke R, Bühring M: Abhärtung durch Hydrotherapie? Z Allg Med 1997;73:18-23.
  9. Brenke R: Effekte und Wirkmechanismen der so genannten Abhärtung. Schweiz Z Ganzheitsmed 2010;22:1-8. > Abstract
  10. Conradi E, Brenke R, Grune T, Grünberger P, Kästner A: Beeinflussung des Radikalstoffwechsels durch Sauna und kurzzeitige Abkühlung. Int Sauna-Arch 1994;11:55.
  11. Brenke R, Siems W: Reduktion prooxidativer und Stärkung antioxidativer Prozesse - ein verbindendes Element der Kneipp'schen Therapie. Schweiz Z Ganzheitsmed 2013;25:41-50. > Abstract
  12. Pilch W, Szygula Z, Tyka AK, Palka T, Tyka A, Cison T, Pilch P, Teleglow A: Disturbances in pro-oxidant-antioxidant balance after passive body overheating and after exercise in elevated ambient temperatures in athletes and untrained men. PLoS One 2014;9:e85320. > Abstract
  13. Sutkowy P, Wozniak A, Boraczynski T, Mila-Kierzenkowska C, Boraczynski M: The effect of a single Finnish sauna bath after aerobic exercise on the oxidative status in healthy men. Scand J Clin Lab Invest 2014;74:89-94. > Abstract
  14. Kluger N: Sauna: cardiac and vascular benefits and risks (Artikel auf Französisch). Presse Med 2011;40:895-899. > Abstract
  15. Persiianova-Dubrova AL, Badalov NG: Thermal therapy for the management of cardiovascular pathology (Artikel auf Russisch). Vopr Kurortol Fizioter Lech Fiz Kult 2013;3:57-61. > Abstract
  16. Conradi E: Beitrag zum Anpassungsprozess des menschlichen Organismus an wiederholte ther-mische Belastungen. Habilitationsschrift. Berlin, Humboldt-Universität, 1980.
  17. Winterfeld HJ, Siewert H, Strangfeld D: Der Einsatz der Sauna zur Therapie und Prophylaxe der essentiellen Hypertonie im Stadium I und II unter besonderer Berücksichtigung der peripheren und zentralen Hämodynamik. Int Sauna-Arch 1986;3:37-46.
  18. Gayda M, Paillard F, Sosner P, Juneau M, Garzon M, Gonzalez M, Belanger M, Nigam A: Effects of sauna alone and postexercise sauna baths on blood pressure and hemodynamic variables in patients with untreated hypertension. J Clin Hypertens (Greenwich) 2012;14:553-560. > Abstract
  19. Gayda M, Bosquet L, Paillard F, Garzon M, Sosner P, Juneau M, Belanger M, Nigam A: Effects of sauna alone versus postexercise sauna baths on short-term heart rate variability in patients with untreated hypertension. J Cardiopulm Rehabil Prev 2012;32:147-154. > Abstract
  20. Oosterveld FG, Rasker JJ, Floors M, Landkroon R, van Rennes B, Zwijnenberg J, van de Laar MA, Koel GJ: Infrared sauna in patients with rheumatoid arthritis and ankylosing spondylitis. A pilot study showing good tolerance, short-term improvement of pain and stiffness, and a trend towards long-term beneficial effects. Clin Rheumatol 2009;28:29-34. > Abstract
  21. Matsumoto S, Shimodozono M, Etoh S, Miyata R, Kawahira K: Effects of thermal therapy combining sauna therapy and underwater exercise in patients with fibromyalgia. Complement Ther Clin Pract 2011;17:162-166. > Abstract
  22. Brenke R: Die Sauna als Heilmittel. Die Naturheilkunde 2009;2:29-33.
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Jens Behnke
Dr. Jens Behnke
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