Lieber Mozart statt Beatles zur Blutdrucksenkung

Herzinfarkt-Patienten profitieren eher von klassischer als von Beatmusik
Stress wird oft mit erhöhtem Blutdruck assoziiert, der zu schlimmeren Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall führen kann. Entspannende Maßnahmen wie beispielsweise Musiktherapie haben sich bereits in vergangenen Studien als erfolgreich in der Reduktion von Stress, Schmerz und Angstgefühlen bei Herzpatienten erwiesen.
 
Erstmals untersuchten Wissenschaftler nun im Rahmen einer kleinen Pilotstudie die Effekte verschiedener Musikrichtungen auf stressrelevante Parameter wie Blutdruckwerte und Herzfrequenz bei Patienten mit akutem Herzinfarkt. Drei Gruppen à 20 Patienten wurden nach zufälliger Zuweisung gebildet. Den Patienten, die wegen eines Herzinfarkts in der Notaufnahme eines kardiologischen Instituts behandelt wurden, wurde entweder klassische Musik von Mozart, Beatmusik von den Beatles oder aber das Radioprogramm inklusive Nachrichten vorgespielt. Die Beatles-Kollektion umfasste 27 der bekanntesten Beatles-Lieder von "All you need is love" bis "Yellow Submarine", für das  Mozart-Repertoire wählten die Wissenschaftler Sonaten, Klavierkonzerte, Serenaden etc. von Klavierkonzert No. 26 D-Dur über Auszügen aus Mozarts Zauberflöte bis zur Serenade No. 13 in G-Dur aus.
 
Hinsichtlich des primären Endpunkts (systolischer Blutdruck) stellte sich heraus, dass die Probanden, die Stücke von Mozart anhörten, im Vergleich mit den beiden anderen Gruppen eine signifikante Reduktion dieses Wertes zeigten. Auch die Absenkung des diastolischen Blutdrucks erwies sich in der Mozart-Gruppe als intensiver, zumindest im Vergleich mit der Radionachrichten-Gruppe.
Keine Unterschiede zwischen den drei Gruppen beobachteten die Wissenschaftler hingegen hinsichtlich der Herzfrequenz, was plausibel erscheint, denn alle Patienten erhielten im Rahmen ihrer Behandlung Betablocker, die bekanntlich die Herzfrequenz senken.

Einschätzung:
Trotz des vorläufigen Charakters dieser Studie unterstreicht das erzielte Ergebnis Mutmaßungen von Herzspezialisten, dass sich klassische Musik zur Blutdrucksenkung und Stressregulation am besten eignet. Es muss gewiss nicht unbedingt Mozart sein, aber wichtig ist, dass die Wahl auf Musik fällt, die keine ängstlichen Gefühle oder aufgewühlte Emotionen hervorruft. Inwiefern andere Musikrichtungen zur Blutdruckregulation geeignet sind, muss in weiteren Studien noch geklärt werden.
 
Literatur
  1. Gruhlke LC, Patrício MC, Moreira DM. Mozart, but not the Beatles, reduces systolic blood pressure in patients with myocardial infarction. Acta Cardiol 2015; 70(6): 703-706 > Abstract
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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