Komplementäre und Alternative Therapien in der Palliativmedizin

Ein Vergleich der Einstellung von Krebs-Patienten und Experten
Viele Krebspatienten nutzen Komplementär- und Alternativmedizin (CAM). Ob dies auch für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung gilt, woher sie ihre Informationen beziehen und welche Behandlungsverfahren sie bevorzugen, dazu äußerte sich nun die Arbeitsgruppe Prävention und Integrative Onkologie (PRIO) der Deutschen Krebsgesellschaft [1]. Sie zog dazu zum einen Daten heran, die bereits im Jahr 2011 bei Interviews mit Patienten einer Palliativeinrichtung in Frankfurt am Main und deren Angehörige erhoben wurden [2]. Im gleichen Jahr wurde, zum anderen, die Perspektive von Ärzten und Pflegenden im Rahmen einer Online-Umfrage unter Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) erhoben [3].

Während 40 % der befragten Patienten an CAM-Verfahren interessiert sind und 68 % bereits entsprechende Verfahren genutzt haben, haben rund 85 % der Ärzte und 99 % der Krankenschwestern und Pfleger in der Umfrage ihr Interesse an CAM-Verfahren bekundet. Nahezu genauso viele haben sie schon persönlich verwendet. Von einem möglichen Nutzen komplementärer und alternativer Therapien sind die Mitglieder der DGP deutlich mehr überzeugt (91 % Pflegepersonal, 72 % Ärzte) als die Palliativpatienten (48 %).

Lediglich nur knapp 21 % der Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger fühlen sich ausreichend informiert, etwas mehr als 77 % hätten gerne mehr Informationen zu den verschiedenen Therapieverfahren.
Fachzeitschriften, Fortbildungen und das Internet sind für Ärzte und Pflegende die wichtigsten Informationsquellen; die Patienten hingegen beziehen ihr Wissen überwiegend aus dem Radio und Fernsehen sowie von Verwandten und Freunden. Nur 8 % der Patienten haben sich bei einem Arzt über CAM-Verfahren informiert, während 34,6 % der Ärzte und 22 % des Pflegepersonals spezialisierte Ärzte zu Rate gezogen haben.
Auch hinsichtlich der Vorlieben für bestimmte Therapieverfahren zeigen sich deutliche Unterschiede: die Krebspatienten bevorzugen Nahrungsergänzungsmittel (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente), Diäten und Phytotherapeutika. Ärzte empfehlen ihren Patienten jedoch Mind-Body-Methoden (Entspannung, Mediation, Tai Chi/Qigong/Yoga) und Akupunktur, während beim Pflegepersonal die Anwendung der Aromatherapie noch vor den von den Ärzten genannten Therapien rangiert.

Einschätzung:
Auch wenn nur eine kleine Patientengruppe befragt wurde und offen bleibt, ob bei der Umfrage unter den DGP-Mitgliedern eventuell nur diejenigen den Online-Fragebogen ausgefüllt haben, die sich schon näher mit der Anwendung von komplementären und alternativen Therapien auseinandergesetzt haben, lässt sich aus dem Vergleich der erhobenen Daten ein Trend ablesen.
Es mangelt vor allem an Kommunikation über komplementäre und alternative Ansätze in der Palliativversorgung. Ärzte und Pflegeexperten sollten ihre Patienten dazu befragen, ob und welche CAM-Verfahren sie sich wünschen und sie über die Eignung und eventuelle Risiken, wie z.B. Wechselwirkungen mit konventionellen Arzneimitteln, aufklären. Dies setzt voraus, dass durch entsprechende Erweiterungen von Curricula in der Ausbildung und berufsbegleitende Fortbildungen der Kenntnisstand zu CAM-Verfahren und ihrer Evidenz aktuell gehalten wird.
Im Gegenzug sollten Patienten bzw. ihre Angehörigen offener mit den behandelnden Ärzten über ihr Interesse an ergänzenden oder alternativen Behandlungsansätzen reden. Sie stoßen gemäß der Umfrageergebnisse auf deutlich mehr Zustimmung und Unterstützung als sie es bisher vermuten.
 
Literatur
  1. Muecke R, Paul M, Conrad C, et al. Complementary and alternative medicine in palliative care: a comparison of data from surveys among patients and professionals. Integr Cancer Ther 2016; 15(1): 10-16. > Abstract
  2. Paul M, Davey B, Senf B, et al. Patients with advanced cancer and their usage of complementary and alternative medicine. J Cancer Res Clin Oncol 2013; 139(9): 1515-1522. > Abstract
  3. Conrad AC, Muenstedt K, Micke O, et al. Attitudes of members of the German Society for Palliative Medicine toward complementary and alternative medicine for cancer patients. J Cancer Res Clin Oncol 2014; 140(7): 1229-1237. > Abstract
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Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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