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Integrative Geburtsvorbereitung lindert den Wehenschmerz

Weniger Rückenmarksnarkosen und Kaiserschnitte durch sanfte Maßnahmen
Geburtsvorbereitende Kurse klären werdende Mütter (und natürlich auch Väter) über die Details und möglichen Szenarien einer Geburt auf und verleihen den Eltern in spe somit mehr Sicherheit – nicht nur für die Geburtssituation, sondern auch für die Zeit danach. Das Angebot zahlreicher Geburtsvorbereitungskurse beinhaltet mittlerweile auch Methoden aus der integrativen Medizin wie z.B. Yoga, sanfte Massagen, Entspannungs- und Visualisierungsübungen sowie Akupressur.

Australische Wissenschaftler sind nun der Frage auf den Grund gegangen, wie effektiv diese vorbereitenden Maßnahmen sich bei geburtstypischen Beschwerden und Szenarien zeigen.[1] Den Hauptzielparameter der an zwei Kliniken in Sydney durchgeführten Studie stellte für das Forscherteam die Anzahl der periduralanästhetischen Maßnahmen (ugs. Rückenmarksnarkosen) während des Geburtsprozesses dar. Sekundäre Ziele beinhalteten unter anderem andere medikamentöse Schmerztherapien, Maßnahmen zur Geburtseinleitung und Wehenförderung, Kaiserschnitte und postpartale Blutungen.
 
Insgesamt 176 Frauen, die ihr erstes Kind erwarteten, wurden per Zufallsprinzip zwei Gruppen zugewiesen. Beide Gruppen nahmen an geburtsvorbereitenden Kursen teil, mit dem Unterschied, dass die Frauen in der Therapiegruppe integrative Methoden zur Selbstanwendung erlernten, die sie individuell nach ihren Bedürfnissen aus sechs angebotenen Selbsthilfemaßnahmen auswählten, während die werdenden Mütter in der Kontrollgruppe nur über die üblichen Vorbereitungsmaßnahmen informiert wurden. Die Kurse waren als zweitägige Kurse über die Wochenenden angelegt und fanden in 14tägigen bzw. monatlichen Abständen statt. Die teilnehmenden Mütter in spe konnten die angebotenen Kurse im Zeitraum der 24. bis zur 34. Schwangerschaftswoche besuchen. Die Fragebögen, die den frischgebackenen Müttern sechs Wochen nach der Geburt zur Beantwortung vorgelegt wurden, füllte ein Großteil der Frauen jedoch nur unvollständig aus. Die Wissenschaftler vergewisserten sich jedoch mittels statistischer Instrumente, dass die Daten dennoch als verlässlich zu betrachten sind. Am Ende standen für die Analyse die Daten von 101 Studienteilnehmerinnen zur Verfügung.
 
Das Resultat der Studie: Insbesondere hinsichtlich der Periduralanästhesie, geburtseinleitender Maßnahmen und Kaiserschnittgeburt konnten die Frauen in der Therapiegruppe von den im Vorfeld durchgeführten integrativen Methoden profitieren. So musste bei 57 Frauen in der Kontrollgruppe eine Rückenmarksanästhesie durchgeführt werden, in der Therapiegruppe war diese Maßnahme nur bei 21 Frauen notwendig. Geburtseinleitende Maßnahmen zur  Wehenförderung mussten bei 25 Frauen in der Therapiegruppe und 48 Frauen in der Kontrollgruppe angewendet werden. Auch die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts war für nur 16 Frauen mit integrativer Geburtsvorbereitung gegeben, in der anderen Gruppe waren es indes 27. Die vorgeburtliche Vorbereitung unter Einbeziehung integrativer Techniken erzielt nach Ansicht der Wissenschaftler somit bessere Effekte zur Reduzierung geburtsspezifischer Komplikationen als Vorbereitungskurse mit dem üblichen Standardangebot. 

Einschätzung:
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie ermutigen zu einer Überprüfung der Frage, wie groß der Aufwand einer Integration in die klinische Praxis wäre, gekoppelt mit einer Kosten-Nutzen-Analyse. Dazu müsste jedoch eine weitere Studie im breiteren Kontext an mehreren Standorten durchgeführt werden. Die Tatsache, dass alle sechs in der Studie verwendeten Maßnahmen einfach zu erlernen und durchzuführen sind, spricht für eine Erweiterung des bisher verfügbaren Geburtsvorbereitungsstandards. Dabei wäre das hier aufgeführte Maßnahmenpaket durchaus noch erweiterungsfähig. Selbsthypnose, Aromatherapie sowie eine Vielzahl an spezifischen Entspannungsmethoden wie Muskelrelaxation nach Jacobson haben sich in Studien ebenfalls als probate, geburtserleichternde Mittel gezeigt. Zudem verfügen die meisten Hebammen über ein breites Repertoire an naturheilkundlichem Wissen, das sich in der Praxis bewährt hat, aber größtenteils noch nicht wissenschaftlich untersucht worden ist. Fazit ist, dass es den Müttern nicht nur zugutekommt, mit der selbsttherapeutischen Eigeninitiative vor und während der Geburt das Gefühl zu bekommen, Kontrolle über den Verlauf des Geburtsgeschehens zu bewahren, sondern dass die angewandten Verfahren eine gute Chance haben, auch zu helfen.

 
Literatur
  1. Levett KM et al. Complementary therapies for labour and birth study: a randomised controlled trial of antenatal integrative medicine for pain management in labour. BMJ Open 2016; 6: e010691 > Abstract
 
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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