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Hufeland-Forschungspreis: Lebensqualität im Fokus

Dr. Romy Lauche und Dr. Matthias Rostock geehrt
Seit 2009 wird von der Hufelandgesellschaft ein Preis für Forschung und Wissenschaft in der Komplementärmedizin ausgelobt. Am 25. April dieses Jahres kam die Jury in Berlin zusammen und fand so zahlreiche Einsendungen von hoher Qualität vor, dass sie sich entschied, zwei Arbeiten zu honorieren.

Schröpfen bei Nackenschmerzen
Dr. Romy Lauche, Psychologin in der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin an den Kliniken Essen-Mitte, untersuchte den Einfluss des Schröpfens auf chronische, unspezifische Nackenschmerzen sowie auf das Schmerzempfinden der Patienten. Es handelt sich um eine prospektive, randomisierte, Wartegruppen-kontrollierte Pilotstudie mit 50 Probanden, bei welcher die Interventionsgruppe einmal blutig geschröpft wurde. Diese und weitere Studien zum Schröpfen an den Kliniken Essen-Mitte wurden von der Carstens-Stiftung gefördert (Projekte: Schröpfen).

Studiendesign
Die objektiven Messergebnisse wurden über standardisierte sensorische Tests der Schmerz- und Wahrnehmungsschwellen gewonnen. Darüber hinaus wurden die Patienten angehalten, Schmerztagebücher zu führen. Auf diese Weise konnten subjektive Parameter wie die Selbsteinschätzung der Nackenschmerzintensität einbezogen werden. Standardisierte Fragebögen dienten der Erfassung von Veränderungen der Bewegungsschmerzen, Beeinträchtigungen im Alltag und der Lebensqualität.

Ergebnisse
Bereits am ersten Tag nach der Behandlung zeigte sich eine signifikante Reduktion der Nackenschmerzen. Auch der Bewegungsschmerz ließ nach. Die Effekte auf die Druckschmerzschwelle legen einen möglichen positiven Einfluss auf die Schmerzverarbeitung nahe. Die Behandlungsgruppe berichtete von einer deutlich gestiegenen Lebensqualität.

Urteil der Jury
Die Jury hob insbesondere die neuen Ideen im Studiendesign hervor. Diese könnten die Effekte naturheilkundlicher Therapien auf die Lebensqualität hervorheben und zukünftige Forschungen in diesem Punkt inspirieren.

Klassische Homöopathie in der Behandlung von Tumorpatienten
(Update vom 20.07.2012 in Replik auf SPIEGEL Online)

Dr. Matthias Rostock vom Institut für Naturheilkunde am Universitätsspital Zürich und dem Universitären Cancer Center Hamburg nahm den Preis für eine Gruppenarbeit zur Klassischen Homöopathie in der Behandlung von Tumorpatienten entgegen. Dr. Matthias Rostock, Dr. Johannes Naumann, Dr. Corinna Guethlin, Dr. Lars Guenther, Prof. Dr. Hans H. Bartsch und Prof. Dr. Harald Walach evaluierten erstmals systematisch eine zusätzliche klassisch homöopathisch onkologischen Behandlung mittels einer prospektiven Beobachtungsstudie zweier unterschiedlich behandelter Kohorten.

Studiendesign
259 Patienten unterzogen sich einer homöopathischen Behandlung, 380 wurden in einem konventionellen onkologischen Zentrum behandelt. Erfasst werden sollte vor allem die Lebensqualität nach drei Monaten mit einer Nachbeobachtung von einem Jahr.

Ergebnisse
Beide Gruppen zeigten deutliche Unterschiede in den Ausgangsdaten, daher konnte keine ausreichende Patientenzahl für die "matched-pairs" Analyse erreicht werden. In der deskriptiven Analyse zeigte sich in der homöopathischen Gruppe eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität nach drei Monaten, die sich auch nach zwölf Monaten weiter fortsetzte. Die Fatigue (krankheitsbedingter Erschöpfungszustand) nahm ebenfalls ab, Angst und Depressivität veränderten sich nicht. In der konventionellen Gruppe zeigte sich nach drei Monaten kein, nach einem Jahr lediglich ein geringer Anstieg der Lebensqualität. Ein Einfluss auf Fatigue, Angst und Depressivität konnte nicht festgestellt werden.

Urteil der Jury
Die Jury hebt hervor, dass die integrative onkologische Behandlung innerhalb der Homöopathie als herausfordernd gelte. Nur in wenigen spezialisierten Zentren weltweit sei dies schwerpunktmäßig möglich. Die vorliegende Arbeit bilde zum ersten Mal die klassisch-homöopathische Praxis in der integrativen Onkologie wissenschaftlich ab – dies sei vor allem für viele Patienten von Bedeutung, die ergänzend nach homöopathischen Behandlungsmöglichkeiten ihrer Krebserkrankung suchen.

Der Hufeland-Forschungspreis ist mit 1.500 Euro dotiert.

PD Dr. Harald Matthes, Vorstandsmitglied der Hufelandgesellschaft, fasste in seiner Festrede zusammen: "Die vorliegenden Arbeiten haben für ihre derartig entstandenen Fragestellungen ein jeweils spezifisches Studiendesign entwickelt. Ein an sich schon innovativer Prozess – insbesondere, wenn es sich um die Erfassung subjektiver Wahrnehmungen zur Lebensqualität während und nach einer therapeutischen Intervention handelt. Die Notwendigkeit zur Erhebung des Patienten-Nutzens im Rahmen von Forschungsvorhaben wird hier nochmals deutlich.“
 
Literatur
  1. R Lauche, H Cramer, C Hohmann, KE Choi, T Rampp, FJ Saha, F Musial, J Langhorst, G Dobos. The Effect of Traditional Cupping on Pain and Mechanical Thresholds in Patients with Chronic Nonspecific Neck Pain: A Randomised Controlled Pilot Study. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, Volume 2012 (2012), doi:10.1155/2012/429718 > Abstract
  2. Rostock M, Naumann J, Guethlin C, Guenther L, Bartsch HH, Walach H. Classical homeopathy in the treatment of cancer patients--a prospective observational study of two independent cohorts. BMC Cancer. 2011 Jan 17;11:19. > Abstract
 
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