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Tausendsassa Aloe vera bei Diabetes

Hilft die Einnahme Diabetikern?
In Deutschland leben etwa sechs Millionen Menschen mit Diabetes Mellitus (DM). Die Dunkelziffer ist noch höher. Und die Zahl nimmt leider weiter dramatisch zu. Globale Daten der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) [1] aus dem Jahr 2015 zeigen immensen Zuwachs weltweit und in Deutschland. Es wird in drei Haupttypen der Diabetes unterteilt. Über 90 Prozent der Erkrankten Deutschen sind Typ-2-Diabetiker. Die chronische Stoffwechselkrankheit zeigt sich durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Langfristig können Blutgefäße und Nerven geschädigt werden und somit Organprobleme entstehen.
 
Neun Studien im Überblick
Mit ihrer Metaanalyse untersuchten kalifornische Wissenschaftler die Wirksamkeit der oralen Einnahme von Aloe vera bei Diabetikern.[2] Sie beobachteten hierbei insbesondere, ob sich der Blutzucker- und Hämoglobingehalt verringerten. Hämoglobin ist ein Proteinkomplex, genauer ausgedrückt der rote Blutfarbstoff. Er transportiert den Sauerstoff im Blut. Ein Mangel zeigt sich oft durch Müdigkeit. Wesentliche Verringerung beider untersuchten Parameter konnten in allen Teilgruppen der neun Studien beobachtet werden. In drei der neun Studien wurde Aloe vera-Saft verabreicht, eine nutzte Aloe-Gel zum Verzehr, vier Aloe gel-Kapseln und eine getrocknetes Aloe-Harz. Der Zeitraum der Verabreichung variierte zwischen vier und 14 Wochen. Der genaue Mechanismus zur Senkung des Blutzuckerspiegels und des Hämoglobingehalts durch den Verzehr von Aloe vera bleibt bisher unerkannt. Mindestens 75 Wirkstoffe der Aloe vera könnten dafür in Frage kommen. Ob beispielsweise Phytosterine oder Polysacharide dazu beitragen, sei vorerst dahingestellt und konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. 
 
 
Keine Sicherheit für Nebenwirkungen auf lange Sicht
Fünf der betrachteten Studien zeigten, dass Aloe vera keine die Leber oder Nieren betreffenden Nebeneffekte zeigt, wohingegen in einzelnen Fällen akute Hepatitis und Dysfunktionen der Schilddrüse durch die Nahrungsergänzung mit Aloe vera auftraten. Die Einnahme von Aloe vera kann zu Bauchschmerzen, Krämpfen, Durchfall, Muskelschwäche und zu niedrigem Glukosewert im Blut führen.[3] Auch von der Einnahme während der Schwangerschaft wird abgeraten.[4] Außerdem verweisen die Autoren auf den Aspekt der Reinheit des jeweiligen Aloe vera-Produkts, die bei den meisten (hier US-amerikanischen) Herstellern nicht gegeben war. 
 

Einschätzung:
Wie die Wissenschaftler selbst herausstellen, ist allen neun Studien eine zu kleine Stichprobengröße gemeinsam. Der große Unterschied zwischen den Zeiträumen der Verabreichung, die fehlenden Standards hinsichtlich der Produktreinheit, undokumentierte Vorgänge zu Gewichtsveränderungen der Probanden, Begleitmedikation, Verstopfung oder Ähnlichem wurden nicht dargelegt. Ebenfalls konzentrierten sich die Wissenschaftler bei den ausgewerteten Versuchen allein auf englische Studien.
Somit lässt sich festhalten, dass in Zukunft mehr Forschung zu Aloe vera bei Diabetes betrieben werden sollte. Ausführlichere Studien, die sich über einen längeren Zeitraum damit beschäftigen, wie sich die Einnahme von Aloe vera auf die Probanden auswirkt und welche Wirkstoffe der Aloe vera darin beteiligt sind den Blutzucker sowie den Hämoglobinwert zu senken, sind wünschenswert.
 
Literatur
  1. IDF Diabetes Atlas – 7th Edition. > Abstract
  2. Dick WR et al. Reduction of fasting blood glucose and hemoglobin A1c using oral Aloe vera: a meta-analysis. J Altern Complement Med 2016; 22(6): 450-457 > Abstract
  3. Newall CA, Anderson LA, Phillipson JD. Herbal Medicines. A Guide for Health-Care Professionals. London: The Pharmaceutical Press, 1996.
  4. Natural Medicines Comprehensive Database. Aloe monograph. > Abstract
 
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Martina Rinkens, M.A.
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Ich bin insulinpflichtige Diabetikerin. Eine Erfahrung, die meinen Alltag, meinen Körper, mein ganzes Sein strukturiert und kennzeichnet: Diabetes mellitus im Vergleich von Schulmedizin und Homöopathie. [mehr]
 
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