Wie wirkt die Nadel bei Stress?

Grundlagenforschung Akupunktur

Stress ist ein ungesunder Zustand, der neben akuten Unwohlsein auch negative Auswirkungen auf schon bestehende Krankheiten haben kann bzw. die Auslösung neuer Krankheiten fördern kann. Zur Behandlung von chronischem Stress kann Akupunktur angewendet werden. Die vorliegende Studie untersucht den Wirkmechanismus von Elektroakupunkturbehandlungen bei gestressten Ratten anhand biochemischer Marker (1).

Mittels Elektroakupunktur wurden die Ratten am Akupunkturpunkt ST 36 (Zusanli) an den Hinterbeinen behandelt. Dabei wurde die Konzentration des Neuropeptids Y im Blut gemessen. Neuropeptid Y ist ein kleines Eiweißmolekül, das von Nervenzellen bei Stress freigesetzt wird und als Botenstoff im Körper fungiert. Die Behandlung fand entweder statt, bevor die Tiere einem Kältestress ausgesetzt wurden (prophylaktische Anwendung), oder nachdem die Tiere dem Kältestress ausgesetzt worden waren (therapeutische Behandlung). Als Kontrollen dienten gestresste Tiere ohne Elektroakupunkturbehandlung, gestresste Tiere mit Scheinelektroakupunkturbehandlung und komplett ungestresste, unbehandelte Tiere. Die Verteilung der Ratten auf die Gruppen erfolgte zufällig.

Unabhängig davon, ob die Behandlung vor oder nach dem Einsetzen des Stresses durchgeführt wurde, verringerte sie die Konzentration des Neuropeptids Y signifikant gegenüber den gestressten Ratten aus der unbehandelten Gruppe und der Scheinakupunktur-Gruppe. Bei der Frage, ob der Effekt der Behandlung länger anhält, konnten keine eindeutigen Ergebnisse erzielt werden.

Einschätzung
Die Verminderung des Neuopeptids Y durch die therapeutische Elektroakupunkturbehandlung ist besonders deutlich und könnte ein Schlüsselhinweis für den Wirkmechanismus von Akupunkturbehandlungen sein.

Etwas verwunderlich in dieser Studie ist nur das schlechte Abschneiden der Scheinelektroakupunkturbehandlung vor dem Hintergrund, dass in etlichen Humanstudien Akupunktur (nicht Elektroakupunktur!) und Scheinakupunktur ähnlich gut abschneiden, und dass das strikte Konzept einzelner, spezifischer Akupunkturpunkte heute nicht mehr aufrechthaltbar ist (2). Leider diskutieren die Autoren beide Punkte nicht.

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Literatur
  1. Eshkevari L, Egan R, Phillips D, Tilan J, Carney E, Azzam N, Amri H, Mulroney SE. Acupuncture at ST36 prevents chronic stress-induced increases in neuropeptide Y in rat. Exp Biol Med (Maywood). 2012 Jan 1;237(1):18-23.
  2. Tao, Iven F. Akupunktur zwischen Mythos und Moderne. KVC Verlag (2009), Essen, Deutschland, 134 Seiten. ISBN 978-3-933351-83-8
 
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Dr. Jürgen Clausen
Fachbereich Wissenschaftliche Recherche und Forschung
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