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Glücklicher durch Obst und Gemüse?

Mehrere Portionen täglich steigern die Lebenszufriedenheit
Die Erkenntnis, dass die Art der Ernährung eine bedeutende Rolle in der Entwicklung von Depressionen spielen könnte, ist nicht neu und wurde bereits in mehreren Studien untersucht. [1] Es wurde gar die These aufgestellt, ungesundes Essen erhöhe die Gewaltbereitschaft und Aggressivität, wie Wissenschaftler im Rahmen einer Studie, die den Zusammenhang zwischen dem Essen in englischen Gefängnissen und der Anzahl der dort verübten Straftaten untersuchte, herausfanden. [2] Jene Gefängnisinsassen, die zusätzlich zum Essen verabreichte Vitamine, ungesättigte Fettsäuren und Mineralien erhielten, waren weniger aggressiv als diejenigen, die lediglich ein Placebo bekamen.

Eine australische Studie untersuchte nun die soziale Signifikanz gesunder Ernährung. [3] Grundlage für Studie bildete eine über mehrere Jahre andauernde Umfrage zu Haushalt, Einkommen und Erwerbsdynamik/Beschäftigungssituation in australischen Haushalten (Household, Income, and Labour Dynamics in Australia (HILDA) Survey). Insgesamt wurden im Rahmen der Studie die Daten von rund 12000 Personen für den Zeitraum 2007 bis 2009 ausgewertet. Die Fragen des Fragebogens, die die Wissenschaftler hinsichtlich der Auswertung am meisten interessierten, waren einerseits, wieviel und an wie vielen Tagen innerhalb einer Woche Früchte (frische, getrocknete Früchte, Tiefkühl- oder Dosenfrüchte) verzehrt werden, bzw. wieviel und wie oft Gemüse auf den Tisch kommt. Außerdem führten die Studienteilnehmer Ernährungstagebücher.
Ihre (globale) Lebenszufriedenheit sollten die Befragten mittels einer Skala von null bis zehn selbst bewerten, wobei die Zahl umso höher sein sollte, je zufriedener sich die Studienteilnehmer fühlten. Gut die Hälfte der Teilnehmer gab an, häufig zu Obst und Gemüse zu greifen, fast ein Zehntel aß regelmäßig und oft pflanzliche Kost. Je häufiger die Befragten Obst und Gemüse verzehrten, desto höher gaben sie ihre Lebenszufriedenheit an. Bei acht Portionen täglich war gar eine deutliche Zunahme des Glückempfindens zu beobachten. Im Gegensatz zu den positiven Effekten, die eine gesunde Ernährung auf die physische Gesundheit zeigen kann (wie z.B. Schutz vor Herz-Kreislauf-Krankheiten), die sich erst Jahre bzw. Jahrzehnte bemerkbar machen, tritt der Nutzen eines täglichen Verzehrs von Obst und Gemüse in einem weitaus kürzeren Zeitraum ein. Innerhalb von zwei Jahren konnten die Teilnehmer mit einer Ernährung reich an pflanzlicher Kost (acht Portionen Obst und Gemüse am Tag), eine deutliche Steigerung ihrer psychischen Befindlichkeit erzielen.
 
Die Wissenschaftler berücksichtigten in ihren Analysen außerdem die zum Zeitpunkt der Befragungen stattfindende öffentliche Kampagne zur gesunden Ernährung in verschiedenen Regionen Australiens (Go for 2&5 Campaign), welche im Jahr 2004 startete, um eventuelle Kausalitäten zu klären. Die im Rahmen der vorliegenden Befragung gewonnenen Erkenntnisse positiver Effekte eines regelmäßigen und häufigen Konsums gesunder Kost reich an Obst und Gemüse bestärken laut Aussage der Wissenschaftler den Nutzen gesundheitspolitischer Ernährungs-Kampagnen.

Einschätzung:
Hoher täglicher Verzehr von Obst und Gemüse kann demnach nicht nur helfen, die physische Gesundheit zu erhalten und zu verbessern, sondern führt auch zu einem höheren psychischen Wohlbefinden und deutlich gesteigerter Lebenszufriedenheit, in etwa vergleichbar mit dem Glücksempfinden eines Arbeitssuchenden, der nach einiger Zeit wieder eine Anstellung gefunden hat, so resümieren die Wissenschaftler.
Inwieweit dies auf eine breite Population übertragbar ist, insbesondere vor dem Hintergrund des bildungsspezifischen und sozialpsychologischen Kontexts, wird im Rahmen dieser Erhebung nicht beantwortet. Letztendlich fällt es einigen Bürgern doch schwerer als anderen, bis zu acht Portionen Obst und Gemüse in ihren täglichen Ernährungsplan einzubauen. Wer sich damit schwer tut, kann versuchen, einzelne Portionen durch gesunde Smoothies, also Getränken, die auf der Basis von püriertem Obst und Gemüse zubereitet werden, zu ersetzen.

 
Literatur
  1. Sanhueza C, Ryan L, Foxcroft DR. Diet and the risk of unipolar depression in adults: systematic review of cohort studies. J Hum Nutr Diet 2013; 26(1): 56-70 > Abstract
  2. Gesch B, Hammond SM, Hampson SE, Eves A, Crowder MJ. Influence of supplementary vitamins, minerals and essential fatty acids on the antisocial behavior of young adult prisoners. Randomised, placebo-controlled trial. Brit J Psychiatr 2202; 18(1): 22-28 > Abstract
  3. Mujcic R, Oswald AJ. Evolution of well-being and happiness after increases in consumption of fruit and vegetables. Am J Publ Health 2016; 106: 1504-1510 > Abstract
 
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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