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Es liegt was in der Luft - ein schutzbringender Duft

Aromaöle reduzieren Keimzahlen im Krankenhaus
Bei Laborversuchen wurde die antimikrobielle Wirkung essentieller pflanzlicher Öle bereits nachgewiesen. In einem italienischen Krankenhaus mit zwei exakt gleich aufgeteilten Etagen wurde nun untersucht, ob eine Dispersion von Aromaöl in der Raumluft die Kontamination mit Bakterien und Pilzen auf den Oberflächen von Tischen, Schränken und Handläufen eindämmen und das damit verbundene Infektionsrisiko senken kann.
Über einen Zeitraum von 5 Monaten wurde auf der einen Etage die gewohnte Sanitisierung mit den herkömmlichen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln durchgeführt. Auf der anderen Etage wurde zusätzlich eine Aromaölmischung aus Lavendel, Cajeput, Sibirischer Tanne, Myrte und Zitronengeranie in der Raumluft verteilt. Hierzu wurde das Aromaöl jeden Tag nachts 8 Stunden lang bei geschlossenen Türen in zwei von acht Zimmern mittels Ultraschall-Vaporisator verdunstet. Tagsüber wurden die Türen aller Zimmer zum gemeinsamen Korridor geöffnet, um eine Luftzirkulation über den Flur und die anderen Räume zu erzielen. Zu Studienbeginn und danach in einem Abstand von jeweils 30 Tagen wurden mit speziellen Probenahmeplättchen Schränke, Tische und Handläufe auf die Besiedelung mit folgenden Mikroorganismen untersucht: Enterococcus faecilis, Escherichia coli, Proteus vulgaris, Salmonalla typhimurium, Staphylococcus aureus, Candida albicans, Aspergillus niger und Saccharomyces cerevisiae. Gleichzeitig wurde die Anzahl der Arzneimittelverordnungen gegen Infektionen für die 32 in den Zimmern stationär aufgenommenen Patienten und die Dauer der Arzneimitteleinnahme dokumentiert.
 
Im Vergleich zu den Räumen, die nur mit den herkömmlichen Mitteln gereinigt wurden, bewirkte die zusätzliche Dispersion der Aromaölmischung eine deutliche Reduzierung der Keimbesiedelung von Tisch- (> 90 %) und Schrankflächen (> 75%) gegenüber dem Zustand vor der Behandlungsphase. In den letzten 30 Studientagen, in denen die Aromaölbehandlung ausgesetzt wurde, stiegen die Keimzahlen wieder auf das Niveau zu Studienbeginn. Auf den erwartungsgemäß am stärksten kontaminierten Tischflächen führte die Aromatherapie in den vier Behandlungsmonaten sogar zu einer vollständigen Keimfreiheit.
Auf den Handläufen in den Korridoren konnten keine signifikanten Veränderungen hinsichtlich der bakteriellen Besiedelung verzeichnet werden.
Die Arzneimittelverschreibungen, vornehmlich gegen Infektionen und Atemwegsprobleme, sowie die Dauer der erforderlichen Einnahmezeit lagen bei den Patienten auf der Aromaöl-Etage um 80 % bzw. 86 % niedriger als auf der Kontroll-Etage.
Unerwünschte Wirkungen, wie allergische Reaktionen auf das Aromaöl  traten bei keinem der Patienten auf.

Einschätzung
Die Dispersion von antimikrobiell wirkenden essentiellen Pflanzenölen ist eine effektive Ergänzung zur herkömmlichen Sanitisierung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Wie die Studienergebnisse zeigen, wäre es jedoch erforderlich ebenfalls Flure und ggfs. Treppenhäuser mit dem Aromaöl zu behandeln bzw. für eine ausreichende Luftzirkulation und damit Verteilung der feinen Öltröpfchen auch in diese Bereiche zu sorgen.
Besonders effektiv wird vermutlich die Reduktion der Keimzahlen auf allen horizontalen Flächen wie Tischen, Sitzflächen von Stühlen, Fensterbänken etc. sein, da die Öltröpfchen sich hier im Vergleich zu vertikalen Flächen vermehrt niederschlagen können.
Trotz der positiven Ergebnisse in der vorliegenden Studie, sollte jedoch bei der Verwendung von Aromaölen Vorsicht walten hinsichtlich möglicher unerwünschter Reaktionen. Es sollten Öle mit geringem allergenem Potenzial wohldosiert eingesetzt werden. Ein weiterer Aspekt ist die Wirkung von Aromaölen auf die Psyche der Patienten sowie des Krankenhauspersonals. Auch hier sollte fachkundig unter den nachweislich antimikrobiell wirkenden Aromaessenzen gewählt werden.
 
Literatur
  1. Gelmini F, Belotti L, Vecchi S, Testa C, Beretta G. Air dispersed essential oils combined with standard sanitization procedures for environmental microbiota control in nosocomial hospitalization rooms. Compl Ther Med 2016; 25: 113-119. > Abstract
 
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Petra Koczy, Dipl.-Biol.
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