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Druck statt "drug" bei schlechtem Schlaf

Mehr Schlafqualität durch Akupressur für Alzheimer-Patienten
Schlechtes Einschlafen, zu frühes Erwachen und unerholsamer Schlaf zehren an den Kräften, drücken die Stimmung und mindern dadurch die Lebensqualität. Epidemiologische Studien zeigen, dass nahezu 50% der älteren Menschen unter Schlafstörungen leiden, so auch Patienten mit einer Demenzerkrankung wie Alzheimer.

In einer italienischen Pflegeeinrichtung für Demenzkranke wurde im Rahmen einer Beobachtungsstudie [1] untersucht, ob die Applikation eines bereits in einer früheren Studie [2] an ansonsten gesunden Erwachsenen getesteten Akupressur-Pflasters zu einer Verbesserung des Schlafes von Alzheimer-Patienten führt.
Über einen Zeitraum von 8 Wochen klebte das Pflegepersonal den Probanden allabendlich circa 30 Minuten vor dem Schlafengehen ein Akupressur-Pflaster auf den Akupunkturpunkt Shenmen, welcher am Handgelenk liegt. Bei der Morgentoilette wurde das Pflaster wieder entfernt.
Vor Beginn, am Ende und zwei Monate nach der letzten Behandlung wurden mittels verschiedener Fragebögen die Schlafqualität, die mentale Verfassung, der neuropsychiatrische Zustand und die Aktivität im täglichen Leben der Studienteilnehmer erhoben.

Nach der zweimonatigen Behandlungsphase brauchten die Studienteilnehmer deutlich weniger Zeit einzuschlafen, schliefen länger und fühlten sich erholter, was sich positiv auf ihre Stimmung und die Gesamtverfassung auswirkte. Die Einnahme von Sedativa konnte drastisch reduziert werden; zwei Teilnehmer konnten sogar vollständig auf die Einnahme eines Schlafmittels verzichten. Die Akupressur-Behandlung führte bei keinem der Teilnehmer zu unerwünschten Nebenwirkungen.

Einschätzung:
Das Ergebnis der Studie ist sehr vielversprechend. Die Behandlung der Schlafstörungen mit einem Akupressur-Pflaster bietet Patienten und Pflegepersonal verschiedene Vorteile:
Die Schlaf- und damit Lebensqualität der Alzheimer-Patienten wird erhöht.
Eine Reduktion bzw. Verzicht auf Sedativa ist äußerst wünschenswert, da diese oftmals Nebenwirkungen und/oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln haben. Geriatrische Patienten müssen bedingt durch Komorbiditäten oftmals zahlreiche andere Medikamente einnehmen.
Die Applikation des Akupressur-Pflasters am Handgelenk der Patienten ist einfach erlernbar, aufgrund des geringen Zeitaufwandes im Pflegealltag gut umsetzbar und somit kostengünstig.
Alzheimer-Patienten zeigen oftmals anderweitige Verhaltensauffälligkeiten wie z.B. starke Unruhe, die den Pflegenden viel Engagement abverlangen. Eine Regulation des Schlaf-Wach-Rhythmus kann sich auch hier positiv auswirken. Dies untersucht das Forscherteam um Simoncini aktuell in einer randomisierten Studie, welche hoffentlich interessante Erkenntnisse für die Arbeit mit Demenzkranken bringen wird.
 
Literatur
  1. Simoncini M, Gatti A, Quirico PE, et al. Acupressure in insomnia and other sleep disorders in elderly institutionalized patients suffering from Alzheimer’s disease. Aging Clin Exp Res 2015; 27(1): 37-42. > Abstract
  2. Nordio M, Romanelli F. Efficacy of wrists overnight compression (HT 7 point) on insomniacs: possible role of melatonin? Minverva Med 2008; 99(6): 539-547. > Abstract
 
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Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Wissensmanagement
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Die Demenzforschung kommt zu immer neuen Erkenntnissen, die Hoffnung machen. Nachgewiesen ist z. B., dass es einen Zusammenhang zahlreicher Lebensstilfaktoren mit der Entstehung einer Demenz gibt. Und auch bei bereits erkrankten Menschen können naturheilkundliche Maßnahmen den Lebensstil verbessern und Symptome lindern: Der kompakte Ratgeber aus dem KVC Verlag für nur 5 Euro 90. [mehr]
 
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