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14.10.2016

Demenz. Die Vielfalt im Blick

Bericht zum 9. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Saarbrücken, 29.09. - 01.10.2016
Vom 29.9. bis 1.10.2016 tagten Angehörige, Mediziner, Wissenschaftler und in den Bereichen Beratung, Betreuung, Pflege und Therapie Tätige mit dem Interesse an demenziellen Erkrankungen im Rahmen des 9. Kongresses der Deutschen Alzheimer Gesellschaft in Saarbrücken, um Erfahrungen auszutauschen und neue Ideen im Umgang mit Demenz und damit verbundenen Problematiken vorzustellen. 
 
Ein umfassendes und breitgefächertes Vortrags- und Informationsprogramm erwartete die Besucher des alle zwei Jahre stattfindenden Kongresses der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Über Angehörigen- und professionelle Pflege, Beratungsangebote, ethische Aspekte, Unterstützung von Angehörigen, Wohnkonzepte und technische Unterstützung, aber auch über spezifische Fragestellungen wie Intimität im Alter, Demenzpatienten mit Migrationshintergrund und der Umgang mit gehörlosen Demenzkranken konnten sich Experten und Betroffene informieren. 

 
Demenz vorbeugen – die Kombination macht‘s!
Erkenntnisse über die Entstehung, Diagnostik und Prävention von Demenz zu gewinnen bildet eines der Hauptanliegen gegenwärtiger Forschungsbemühungen auf diesem Gebiet. Ein Vortrag von Prof. Dr. Hartmann vom Deutschen Institut für Demenzprävention der Universität des Saarlandes in Homburg informierte über die Notwendigkeit, Risikofaktoren zu erkennen und Maßnahmen zur Lebensstilmodifikation zu ergreifen. Fazit: Eine Kombination multipler protektiver Maßnahmen wie Ernährung, Bewegung, kontinuierliche körperliche und geistige Aktivität sowie eine optimale Schlafhygiene reduziert das Risiko einer Demenzerkrankung weitaus mehr als einzelne Maßnahmen.

Mehr Details zur Vorbeugung von Demenz finden Sie hier.
 
 
Hilfe für pflegende Angehörige demenzkranker Menschen 
Ein wichtiger Schwerpunkt des Kongresses bildete die schwierige Situation Angehöriger in der Pflege und Betreuung ihrer demenzkranken Ehepartner oder Verwandten. Beratungsstellen der einzelnen Bundesländer sowie Informationsportale stellten ihre Konzepte vor, ebenso wurden Fragen zur aktuellen rechtlichen Grundlage der Pflegesituation aufgegriffen. Angehörige können sich länderübergreifend zu Beratungsstellen und Hilfsangeboten über den vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiierten „Wegweiser Demenz“ informieren. 
Wissensportale wie „EinBlickDemenz“ der Alzheimer Gesellschaft München e.V. vermitteln aktuelle Erkenntnisse aus der Demenz-Forschung in verständlicher Sprache sowie fachliche Beratung durch wissenschaftliche Experten zu einzelnen Fragen. 
 
Ebenfalls vorgestellt wurde ein Projekt der Universität Jena, das ein Angebot einer telefonischen Therapie für Angehörige von Demenzkranken (Tele-TAnDem) beinhaltet und Angehörigen bei stressbedingter Überlastung in der Pflegesituation psychologische Unterstützung durch ausgebildete Therapeuten gewährt. 
 
Im Rahmen eines Vortrags stellte Prof. Dr. Gräßel des Universitätsklinikums Erlangen eine bundesweite Erhebung vor, die die häusliche Pflegesituation zwischen Menschen mit Demenz und Menschen mit anderen Ursachen für Pflegebedürftigkeit verglich.  Das nicht überraschende Ergebnis: Angehörige demenzkranker Menschen haben unter einer signifikant höheren subjektiven Belastung sowie einer verminderten Lebensqualität zu leiden und investieren außerdem mehr Zeit in die Pflege als Angehörige von Menschen nicht-demenzieller Erkrankungen, schätzten subjektiv allerdings ihre Belastung wesentlich geringer ein. Mit Hilfe der Häuslichen-Pflege-Skala (HPS-k) sollen potenzielle Gesundheitseinschränkungen durch die Pflegesituation auf Seiten der Angehörigen erkannt werden, um rechtzeitig Maßnahmen zur Entlastung und Unterstützung anbieten zu können. 
 
Nicht immer tritt eine Demenzerkrankung im hohen Alter auf. Angehörige „Junger“ Demenzkranker mit einem Eintrittsalter von unter 65 Jahren können sich im Rahmen des europäischen Kooperationsprojekts „RHAPSODY“ zu spezifischen Fragen rund um die Demenz in jungen Jahren wie beispielsweise „Berufsleben und Demenz“ informieren. Das Projekt ist bisher einmalig, das Informationsangebot aber leider noch nicht online verfügbar.

Mehr Informationen zur Hilfe für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz finden Sie hier.

 
Musik, Duftaromen und Vierbeiner in der Pflege
Mittlerweile in vielen Pflegeeinrichtungen sowie in der häuslichen Pflege von Demenzpatienten häufiger genutzt werden Ansätze wie Musiktherapie, die Arbeit mit Duftaromen und der Einsatz von Haustieren wie Hunde, Katzen, Kaninchen etc. Insbesondere bei Demenzpatienten mit erhöhtem agitativem Verhalten wurden mit diesen begleitenden Maßnahmen bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. Während die Musiktherapie eher bei demenzspezifischen Phänomenen wie Wortfindungsstörungen und Schwierigkeiten beim Essen und Trinken greift, können z.B. bestimmte Aromaöle wie z.B. Lavendel in der Beduftung von Aufenthaltsräumen in Pflegeeinrichtungen für eine entspannte Atmosphäre sorgen bzw. zum Geruchs- und Gedächtnistraining auf biographisch-therapeutischer Ebene eingesetzt werden (wie z.B. der Duft frisch gemahlenen Kaffees).  

 
Rahmenprogramm: Ausstellungen und Events 
Unter den zahlreichen interessanten Ausstellern und ihren Beratungsangeboten sind im Folgenden einzelne Projekte besonders hervorzuheben, die in eindrucksvoller Weise auf die Situation von Demenzkranken aufmerksam machen wollen:
 
Von der schwierigen Situation eines Demenzkranken konnte man sich im Rahmen des Projekts „Hands-on Dementia“ überzeugen, das in 13 Alltagssituation vom Anziehen bis zum Abendessen anschaulich zeigt, welches Unbehagen ein Mensch mit Demenz angesichts seines Unvermögens im Umgang mit täglichen Selbstverständlichkeiten verspüren muss.
 
Einen Einblick in die während der Aktionswoche „Konfetti im Kopf“ entstandene Idee, Demenzbetroffene  ihre Problematik künstlerisch mit Materialien wie Garn, Wolle, Fäden, Stoff und Holz bearbeiten zu lassen, bekommt man in der Ausstellung „Den Faden verlieren – Kunst trifft Demenz“, die einen Querschnitt der Werkstücke zeigt.
 
In Bewegung bleiben: Im Rahmen der bundesweiten Initiative „Wir tanzen wieder!“ wurde ein Flashmob mit Tanzenden initiiert, der symbolisieren sollte, dass man auch im Alter tanzend körperlich und geistig fit bleiben kann.
„Nothing about us without us – Nichts über uns ohne uns“ – dafür kämpft die selbst von Demenz betroffene Aktivistin Helga Rohra im Rahmen des Vereins Trotzdemenz e.V. Auf dem Kongress stellte die an der Lewy-Body-Demenz erkrankte Autorin ihr bereits zweites Buch „Ja zum Leben trotz Demenz!“ vor, in dem sie für Verständnis für die Demenzerkrankung in der Bevölkerung wirbt und eine Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Gesunden und Erkrankten fordert.

Appell: Spielen und die Demenz-Forschung unterstützen
Besitzen Sie ein Tablet oder Smartphone und wollen Sie auf einfache Art und Weise einen Beitrag zur Demenzforschung leisten? Mithilfe des Spiels Sea Hero Quest Sea Hero Quest, einem Projekt des University College London und der University of East Anglia, gemeinsam mit der Deutschen Telekom und dem Spieleentwickler Glitchers konzipiert, sollen (anonyme) Daten zu Orientierungs- und Navigationsverhalten gesunder Menschen gesammelt werden, um die Forschung zu Prävention und Therapie von Demenzerkrankungen voranzutreiben. Das Spiel kann kostenlos via Apple Appstore oder Google Play heruntergeladen werden.

 
 
 
 
 
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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Die Demenzforschung kommt zu immer neuen Erkenntnissen, die Hoffnung machen. Nachgewiesen ist z. B., dass es einen Zusammenhang zahlreicher Lebensstilfaktoren mit der Entstehung einer Demenz gibt. Und auch bei bereits erkrankten Menschen können naturheilkundliche Maßnahmen den Lebensstil verbessern und Symptome lindern: Der kompakte Ratgeber aus dem KVC Verlag für nur 5 Euro 90. [mehr]
Martin Loef hat in seiner empirischen Doktorarbeit die vielfältigen Dimensionen des Lebensstils und ihre Auswirkungen auf die Demenz untersucht. Durch sorgfältige Auswertungen der Determinanten kommt er dabei einem lebensstilbasierten Programm zur Vorbeugung sehr nahe. [mehr]
 
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