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Das Tanzbein schwingen hilft gegen Stress

Tangotanzen ist genauso entspannend wie Achtsamkeitsmeditation
Ein Tänzchen aufs Parkett zu legen, ob mit, ob ohne Partner, fördert laut Aussage früherer Forschung den Gleichgewichtssinn und die muskuläre Leistung von Senioren und Parkinson-Patienten. Diese beiden Parameter konnten in einer Studie durch Salsa-Tanzen leicht verbessert werden [2]. In zwei weiteren Studien konnte gezeigt werden, dass Tango-Tanzen sich positiv auf die Gangsicherheit und Balance von Parkinson-Patienten auswirkt [3,4].

Aber auch auf die Psyche übt sich regelmäßiges Tanzen positiv aus. In einer aktuellen Studie wurden die Effekte des Tango-Tanzens im Vergleich mit Achtsamkeitsmeditation (nach Kabat-Zinn) über sechs Wochen auf depressive Patienten untersucht [1]. Der Grund, warum die Wissenschaftler ausgerechnet den Tango Argentino als Intervention wählten, liegt darin, dass zum einen selbst ein so melancholischer Tanz wie der Tango positive Emotionen auslöst, zum anderen die Tanzbewegungen absolute Konzentration erfordern, so dass zumindest vorübergehend negative Gedanken verdrängt werden. Zudem spielt die soziale Komponente eine wichtige Rolle, da man für diesen Tanz einen Partner benötigt, mit dem es gilt, eine Synchronität der Tanzbewegungen zu erreichen.

Nach dem Zufallsprinzip wurden die 97 Probanden der Tango-, der Meditations- oder aber der Wartelistengruppe zugewiesen. Den beiden experimentellen Gruppen wurden jeweils ein erfahrener Trainer vorangestellt, der den Teilnehmern jeweils eine anderthalbstündige Einführung in den Tangotanz bzw. die Achtsamkeitsmeditation erteilte. Die Zielparameter bestanden aus den gemessenen Werten hinsichtlich Stress, Angst, Depression, Selbstvertrauen und Lebenszufriedenheit.

Insbesondere hinsichtlich der Depressionsparameter konnten sowohl die Teilnehmer der Tango- als auch der Meditationsgruppe profitieren. Allerdings steigerte sich bei den Tangotänzern die Lebenszufriedenheit mehr als bei den Meditierenden. Zudem zeigten die Tänzer einen deutlichen Rückgang ihres psychologischen Stress-Levels. Überraschend ist die Aussage der Tango tanzenden Probanden hinsichtlich ihrer im Vergleich mit den beiden anderen Gruppen größeren Achtsamkeit nach dem Tanzen. Dies lässt vermuten, dass Tanzen möglicherweise ähnliche Effekte zeigt wie meditative Maßnahmen.

Einschätzung:
Abgesehen von der niedrigen Probandenzahl und der Tatsache, dass den Wissenschaftlern keine Daten über eine diagnostizierte Depression vorlag, sie sich also lediglich auf die Selbstaussagen der Teilnehmer stützten, klingen die vorläufigen Ergebnisse sehr vielversprechend. Besonders für Patienten mit depressiven Verstimmungen, aber auch schwerwiegenderen Depressionen, die die Bewegung einer stillen Meditation vorziehen, könnte der (Tango-)Tanz eine Alternative darstellen.

Allerdings sollte das Bildungsprofil zukünftiger Probanden etwas weiter gefächert sein: In dieser Studie wurden ausschließlich Probanden mit höherem Bildungsgrad einbezogen, womit das Ergebnis auf die breite Bevölkerungsschicht nicht übertragbar erscheint.

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Literatur
  1. Pinniger R, Brown RF, Thorsteinsson EB, McKinley P. Argentine tango dance compared to mindfulness meditation and a waiting-list control: a randomised trial for treating depression. Complement Ther Med 2012; 20: 377-384 > Abstract
  2. Granacher, U, Muehlbauer T, Bridenbaugh SA, Wolf M, Roth R, Gschwind Y, Wolf I, Mata R, Kressig RW. Effects of a salsa dance training on balance and strength performance in older adults. Gerontology 2012; 58: 305-312 > Abstract
  3. Hackney ME, Earhart GM. Effects on dance on movement control in Parkinson’s disease: a comparison of Argentine tango and American ballroom. J Rehabil Med 2009; 41(6): 475-481 > Abstract
  4. Hackney ME, Earhart GM. Effects of dance on gait and balance in Parkinson’s disease: a comparison of partnered and nonpartnered dance movement. Neurorehabil Neural Repair 2010; 24(4): 384-392 > Abstract
 
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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