Cyrus Maxwell Boger und das Erbe der amerikanischen Homöopathie

Eine Biographie der besonderen Art
In dem Buch verweben sich zwei Perspektiven, die der Urenkelin Boger Cheryl F. Bragg und die des Boger-Experten Norbert Winters zu einem gelungenen und kurzweiligen Streifzug durch das Leben und Werk des großen amerikanischen Homöopathen Cyrus Maxwell Boger. Die Vorstellung der Lehren Bogers, seine Beschäftigung mit dem Werk Bönninghausens, die Entwicklung und Publikation seiner Repertorien werden in chronologischer Abfolge durch die biographische Aufarbeitung seines Lebens aufgelockert. Dies ermöglicht es dem Leser, die Entwicklung des Bogerschen Werks in direktem Zusammenhang mit den historischen Umständen und lebenswirklichen Gegebenheiten, in denen sich der Homöopath damals befand, zu begreifen. Ereignisse wie die damalige Geißel Diphtherie sowie die Entwicklung eines Antitoxins zu ihrer Bekämpfung im Jahr 1898, der Ausbruch der Spanischen Grippe, die um 1918/19 weltweit millionenfach ihre Opfer fand, der erste Weltkrieg und der Niedergang der Homöopathie in Amerika begleiteten das Schaffen Bogers, gaben ihm zum Teil Auftrieb für neue Überlegungen.
 
Nichtsdestotrotz richtet sich das Buch nicht nur an den historisch interessierten Leser, sondern adressiert insbesondere den praktizierenden Homöopathen. Dieser, vorausgesetzt er hegt Interesse an Bogers Arbeitsweise, wird in zahlreichen Zitaten, die Boger selbst zu einzelnen Problematiken wie Arznei-Wiederholungen, zum Thema Generalisierung im Zuge seiner "General Analysis", aber auch zu Bogers Beschäftigung mit dem Genius epidemicus praxisrelevante Hinweise finden, die in dieser Form bisher noch nicht zusammengetragen wurden.
 
Norbert Winters Aufarbeitung der Boger’schen Literatur bilden gemeinsam mit Cheryl Braggs Erinnerungen, Fotos, und persönlichen Geschichten rund um ihren Urgroßvater eine Symbiose, die Bogers literarischem Werk Leben einhaucht. Vielfach als Idol und letzter großer Homöopath verehrt, der sich über seine Schriften und Lehren definiert, gewinnt Boger in dieser Biographie Gestalt und Menschlichkeit. So erscheint möglicherweise nun so manches Detail in seinem Werk in einem anderen Licht, lernt man doch den Menschen Boger und sein Schicksal, seine Beweggründe für den einen oder anderen seiner Gedanken, nun etwas besser kennen.
 
Insbesondere in Zeiten, in denen sich die Homöopathie und ihre Anhänger zunehmend und anhaltend dem Beschuss aus den Reihen ignoranter Wissenschaftler und tendenziöser Medien ausgesetzt sehen, erinnert die Biographie daran, wie wichtig die genaue Beobachtung für eine menschliche Medizin ist. Boger hat mit seinem Werk, insbesondere als Autor der Repertorien "Synoptic Key" und "General Analysis", den Weg für eine prägnante, effiziente, aber dennoch einfache Vorgehensweise geebnet, die die Biographie des Patienten stark berücksichtigte. In diesem Buch erfahren wir nun über Bogers Leben, der den Niedergang der amerikanischen Homöopathie noch selbst miterlebte und mit seinem Tod 1935 wohl ein bedeutendes Kapitel der Homöopathie zuschlug.
 
Die Biographie schließt mit dem Kapitel übertitelt "Reviresco", das Motto des schottischen Maxwell-Clans, dem die Vorfahren Bogers mütterlicherseits entspringen. Den schottischen Kampfesgeist seiner Zeit wiedergebend, bedeutet Reviresco "Ich werde wieder zu Kräften kommen, wiedererstarken". Das bleibt für die Homöopathie in unseren Zeiten wohl ebenfalls zu hoffen.

Eine Goldgrube für den an der Bogerschen Vorgehensweise interessierten Homöopathen, gleichermaßen eine interessante Quelle für Homöopathiehistoriker.
 
Literatur
  1. Bragg CF, Winter N. Cyrus Maxwell Boger und das Erbe der amerikanischen Homöopathie. Pohlheim: Verlag Ahlbrecht, 2013 (ISBN 978-3-9815028-5-5) > Abstract
 
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Daniela Hacke, M.A.
Fachbereich Informationsbeschaffung und Wissensmanagement
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Das Buch füllt eine Lücke: Es bietet erstmals eine Darstellung der ersten 200 Jahre Homöopathie-Geschichte "am Stück". [mehr]
 
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