Chinesisches Aspirin

Notoginseng-Extrakte können die Rehabilitation nach Schlaganfall verbessern
Panax ist eine Pflanzengattung, die sich in 12 Arten gliedert, von denen die bekannteste Panax ginseng - also der chinesische Ginseng - ist. Daneben gibt es in China eine weitere Art, den Panax notoginseng, der vor allem als Mittel zur Wiedergenesung nach Schlaganfällen vermarktet wird. In Verbindung mit der Markteinführung des neuen Notoginseng-Extrakts „Sanchitongshu“ haben chinesische Forscher die Wirksamkeit dieses Medikaments nach ischämischen Schlaganfällen untersucht.
 
In die Studien wurden 140 Patienten aufgenommen, die innerhalb des vorangegangenen Monats einen ischämischen Schlaganfall erlitten hatten. Alle Patienten erhielten als Basistherapie 50mg Aspirin und zusätzlich entweder den Notoginseng-Extrakt oder ein Placebo. Innerhalb der vierwöchigen Behandlungsphase verbesserten sich die Patienten – vermutlich wegen der Basistherapie - in beiden Gruppen enorm, wobei diese in der Notoginseng-Gruppe noch ausgeprägter waren. Die neurologischen Defizite zum Beispiel verbesserten sich unter Notoginseng auf einer Skala von 0 bis 100 um 20 Punkte, unter Placebo aber „nur“ um 12 Punkte. Bei den Beschränkung des täglichen Lebens (die mit dem bekannten Barthel-Index gemessen wurden) verbesserten sich die Notoginseng-Patient stärker (19 bzw. 12 Punkte).

Einschätzung
Die Studie legt durchaus beeindruckende Daten vor, die den Ruf den Notoginsengs als chinesisches Aspirin stärken könnten. Dennoch ist aus zwei Gründen Vorsicht geboten: Zum einen ist unverständlich, dass die Autoren zwar ausführlich die Ergebnisse nach der vierwöchigen Behandlung diskutieren, die ebenfalls erhobenen Langzeitergebnisse 3 und 6 Monate nach Therapie aber unter den Tisch fallen lassen. Zum anderen scheinen die beiden Studiengruppen trotz zufälliger Gruppeneinteilung von recht unterschiedlichen Ausgangspositionen zu starten. Augenscheinlich war die Placebogruppe deutlich stärker von den Schlaganfallfolgen betroffen als die Notoginseng-Gruppe. Im Barthel-Index zum Beispiel bestand vor Therapiebeginn ein Unterschied von 12 Punkten, bei den neurologischen Defiziten immerhin ein Unterschied von 5 Punkten.

Zurück zur Nachrichtenübersicht
 
Literatur
  1. He L, Chen X, Zhou M, Zhang D, Yang J, Yang M, Zhou D. Radix/rhizoma notoginseng extract (sanchitongtshu) for ischemic stroke: a randomized controlled study. Phytomedicine 2011; 18(6):437-442. > Abstract
Mehr zum Thema: Nervensystem & Phytotherapie/Pflanzenheilkunde > Wird Grüntee das neue Alzheimer-Medikament? > Grüner Tee gegen Alzheimer > Selleriesamen gegen Parkinson > Weihrauch: Eine Option für Hirntumor-Patienten? > Traubenkernextrakt gegen das Vergessen > Mit Urwaldpflanzen gegen Alzheimer > Engelwurz und Ferulasäure > Pflanzengemisch zeigt kleine Effekte bei Alzheimer > Rosmarin für ein fittes Gehirn im Alter > Gegen Kopfschmerz ist ein Kraut gewachsen > Fichtenextrakt hilft bei Alzheimer > Lavendelduft vertreibt den Migräneschmerz > Schützt die Kornelkirsche vor Parkinson? > Ist Muskatnuss hilfreich bei diabetischer Neuropathie? > Kamillentee statt Kaffee? > Langzeiteinnahme von Ginkgo: Schutz vor Demenz? > Grüne Pflanze für graue Zellen > Wenn es auf der Zunge brennt > Pflanzlich gegen Alzheimer? > Schwarzer Kümmel für die grauen Zellen > Natürliche Migräneprophylaxe > Kann Bockshornklee Parkinson verzögern? > Sanfte Alternative bei Migräne > Neue Perspektiven für die Alzheimer-Therapie? > Heilpotenzial der Arnika bei Schlaganfall und Multipler Sklerose > Salbei verhindert Gedächtnisverlust > Pflanzliche Hilfe gegen das Vergessen > Gegen Migräne ist ein Kraut gewachsen
 
Diese Seite
per Email versenden
drucken
share on facebook
 
Rainer Lüdtke
Dipl.-Stat. Rainer Lüdtke
Referat für Biometrie und Wissenschaftstransfer
Telefon
Email
Der Ratgeber bietet Einsicht in die Funktionszusammenhänge des Körpers und hilft, Risikofaktoren eines Schlaganfalls zu reduzieren. Außerdem werden Strategien zur unterstützenden Behandlung eines Schlaganfalls vorgestellt. Für nur 5,90 €! [mehr]
 
© 2011-2014 Karl und Veronica Carstens-Stiftung | Im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft | Am Deimelsberg 36 | 45276 Essen | Telefon: +49 0201 563050 | Telefax: +49 0201 56305 30