Achtsamkeitstraining stärkt Menschen in medizinischen Berufen

Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) fördert emotionale Kompetenzen und schützt vor Stress und Burnout
Seit etlichen Jahren werden Achtsamkeits-basierte Therapien in verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung von Kranken eingesetzt. Aber auch für die andere Seite, für Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal hat MBSR zur Bewältigung des Arbeitsalltages an Bedeutung gewonnen; dies wurde bereits in zahlreichen Studien bestätigt [z.B. 1,2].

Im Fokus eines aktuellen Systematischen Reviews [3] steht die Fragestellung, inwieweit MBSR die Empathie und die emotionalen Kompetenzen der Ärzte und Pflegenden unterstützt und hierdurch die Arbeit mit den Patienten erleichtert. Große Empathie birgt die Gefahr von den Gefühlen der Patienten überschwemmt zu werden und diese zu übernehmen. Die Autoren gehen davon aus, dass Achtsamkeitstraining es ermöglicht, eigene Gefühle und Gefühle anderer unvoreingenommen wahrzunehmen und voneinander zu trennen.

Insgesamt 39 Studien entsprachen den Einschlusskriterien der Übersichtsarbeit, in der folgende Outcome-Parameter näher beleuchtet werden sollten:
  • Stress: 18 von 19 Studien bestätigen die stressreduzierende Wirkung von MBSR
  • Burnout: 9 von 17 Studien sagen, dass MBSR vor Burnout schützt
  • Angst: in 10 von 11 Studien wurde eine Angstreduktion durch MBSR festgestellt
  • Mentales Wohlbefinden: in 6 von 6 Studien wirkte sich MBSR positiv aus
  • Physisches Wohlbefinden: 1 Studie positiv, 3 negativ
  • Achtsamkeit: 14 von 17 Studien konnten eine Steigerung der Achtsamkeit konstatieren
  • Kohärenzsinn: in 3 von 4 Studien wurde eine Stärkung des Kohärenzsinns durch MBSR nachgewiesen
  • Empathie: 5 von 7 Studien bestätigen eine Steigerung der Empathie
  • Emotionale Kompetenzen:
    a) eigene Emotionen erkennen: 2 von 2 Studien mit positivem Ergebnis
    b) Emotionen anderer erkennen: in keiner Studie untersucht
    c) Emotionen akzeptieren: 4 Studien mit ähnlichen Parameter zeigten positive Wirkung von MBSR
     
Einschätzung:
Auch wenn hinsichtlich der Fragestellung nach dem Einfluss von MBSR auf die emotionalen Kompetenzen keine eindeutige Aussage getroffen werden kann, da diese Parameter bisher nur in wenigen Studien untersucht wurden, zeigt die Übersichtsarbeit dennoch deutlich das präventive Potential von Achtsamkeits-basierten Trainingsprogrammen für Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Therapeuten.
 
Literatur
  1. Irving JA, Dobkin PL, Park J. Cultivating mindfulness in health care professionals: A review of empirical studies of mindfulness-based stress reduction (MBSR). Compl Ther Clin Pract 2009; 15(2): 61-66. > Abstract
  2. Smith SA. Mindfulness-based stress reduction: An intervention to enhance the effectiveness of nurses’ coping with work-related stress. Int J Nurs Knowl 2014; 25(2): 119-130. > Abstract
  3. Lamothe M, Rondeau É, Malboeuf-Hurtubise C, Duval M. Outcomes of MBSR or MBSR-based interventions in health care providers: A systematic review with a focus on empathy and emotional competencies. Compl Ther Med 2016; 24: 19-28. > Abstract
 
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Petra Koczy, Dipl.-Biol.
Fachbereich Bibliothek | Wissensmanagement
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